Dumpingvorwürfe gegen chinesische Solarglas-Hersteller

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Europäische Hersteller von Solarglas haben die Initiative EU ProSun Glass gegründet und in Brüssel Beschwerde gegen ihre chinesischen Konkurrenten eingereicht.

Solarglasfertigung

Auch Zulieferer für die Solarindustrie haben mit niedrigen Preisen aus China zu kämpfen
Foto: Euroglas

Mit der neugegründeten Initiative EU Pro Sun Glass haben nun auch europäische Hersteller von Solarglas Beschwerde in Brüssel eingereicht. Der Vorwurf: Chinesische Firmen gingen mit massiven Dumpingpreisen für Solarglas gegen ihre Konkurrenten vor. Oft würden durch die Preise nicht einmal die Rohstoffkosten für die Glaserzeugung gedeckt

EU Prosun Glas spricht auf Anfrage von einem „unglaublichen Preisverfall“. Allein im letzten Jahr seien die Preise für Solarglas um 20 bis 30 Prozent gefallen. Die Initiative der europäischen Solarglashersteller geht davon aus, dass chinesische Hersteller weitere Preissenkungen anstreben. Auch der Marktanteil chinesischer Unternehmen habe sich in den letzten Jahren vervielfacht, nach Angaben von EU Prosun Glass von sieben Prozent im Jahr 2010 auf 27 Prozent Ende 2012. Mit einer Gesamtproduktionskapazität von 400 Millionen Quadratmetern hätten die chinesischen Solarglashersteller eine Überkapazität in der Höhe des mehr als achtfachen Jahresbedarfs innerhalb der Europäischen Union.

„Der neue Fall in Brüssel zeigt, dass es China nicht nur um die Kontrolle des Marktes für Solarmodule geht“, sagt der Präsident von EU ProSun Milan Nitzschke. „Der Fünf-Jahres-Plan der Zentralregierung bezieht alle Teile der Solarindustrie ein, vom Modul über den Rohstoff Silizium, die Maschinen bis hin zum Solarglas.“ So würde die europäische Industrie einschließlich der gesamten Zuliefererindustrie ausgebootet. Dafür baut China laut EU ProSun Überkapazitäten auf, die zu einem ruinösen Preiswettbewerb auf dem Weltmarkt führten. Verluste chinesischer Unternehmen glichen die Staatsbanken in China durch Subventionen und Kredite aus.

Sollte die Europäische Kommission dem Antrag von EU ProSun Glass folgen, würde dies das dritte handelsrechtliche Verfahren gegen Solarprodukte aus China bedeuten, das bereits im ersten Quartal 2013 gestartet werden könnte. Im vergangenen Jahr hat die Europäische Kommission auf Antrag der Initiative ProSun bereits ein Antidumpingverfahren und ein Antisubventionsverfahren gegen chinesische Photovoltaik-Hersteller von Solarwafern, Solarzellen und Solarmodulen eingeleitet. Die Entscheidung über Zölle im Antidumpingverfahren steht bis zum 5. Juni 2013 an.

EU ProSun Glass ist nach eigener Aussage unter der Führung der GMB Glasmanufaktur Brandenburg organisatorisch und strukturell unabhängig von der Initiative EU Prosun, die von Solarworld angeführt wird. Gemeinsames Ziel der Initiativen sei aber, wieder einen fairen Handel auf dem europäischen Solarmarkt zu ermöglichen. (Mirco Sieg)


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