Die Aufstellung entscheidet

Kategorie: 03 / 2009, Fachwissen & Technik Anja Riedel

Montagesysteme: Die richtige Montage einer Photovoltaikanlage ist entscheidend dafür, dass die kleinen Kraftwerke auch dort bleiben, wo sie hingehören: auf dem Dach. Eine handwerklich solide Arbeit bei der Installation spielt dabei mindestens eine ebenso große Rolle wie die Qualität der Bauteile.

Im Ingenieurbüro Norbert Taphorn ist man von Tecto-Sun überzeugt. Diese 30 Module mit einer Spitzenleistung von 5,55 Kilowatt wurden im letzten Jahr in Dinklage/Niedersachsen montiert.
Foto: Norbert Taphorn GmbH

„Wir legen Wert darauf, dass das Montagesystem ein RAL-Zertifikat hat. Damit sind wir auf der sicheren Seite“, sagt Holger Freyer. Der Geschäftsführer der Solarwerkstatt Berlin setzt häufig Tecto-Sun von Phoenix zur Aufdachmontage auf Schrägdächern ein, denn längst nicht alle auf dem Markt erhältlichen Gestellsysteme können eine geprüfte Statik vorweisen. Dabei kann Schnee auf und hinter den Modulen erhebliche Lasten produzieren, und auch Windsogbelastungen erreichen überraschend große Dimensionen.

Bei Montagesystemen für Schrägdächer mit Ziegeleindeckung wird die Belastung durch Wind und Schnee vom Modulrahmen über eine Modulklemme an die Modultragschieneweitergegeben. Die Modultragschiene ist dabei am Dachhaken befestigt, dessen Grundplatte zuvor am Dachsparren angeschraubt wurde.

 

Komplettsysteme sind die Regel

Professionelle, schnell montierbare Komplettsysteme, die aus Strangpressprofilen, Nutensteinen und bauaufsichtlich zugelassenen Schrauben bestehen, sind seit einigen Jahren die Regel, wenn Module aufs Dach kommen. Die Systemanbieter liefern Spezialwerkzeug oder andere Hilfsmittel zur schnellen Montage meist gleich mit. Der Statiktest des Monteurs – einmal auf die Schiene gestellt, „das hält schon“ – wird heute durch Statiktabellen, Auslegungssoftware, Bemessungsdiagramme und TÜV-Belastungstests abgelöst. Auch wenn dies dem Solarteur einiges an Arbeit abnimmt, sollte er sich dennoch beim Anbieter der Module und des Montagesystems immer vergewissern, ob er vorschriftsmäßig montiert.„Die Dichtigkeit des Daches ist immer abhängig von einer ordentlichen Ausführung“, sagt Holger Freyer. Dabei komme es darauf an, wie groß der Dachstein ausgeflext wird, unter dem der Handwerker den Dachhaken auf den Sparren schraubt. Gilbert Janßen, Geschäftsführer von Akut Solar in Berlin, setzt außerdem auf zweifach verstellbare Dachhaken. Bei deren Einsatz sind zur genauen Justierung des Dachhakens im Ziegeldurchtritt in denmeisten Fällen keine zusätzlichen bauseitigen Unterlegbretter mehr erforderlich: Der Haken wird auf einen gewissen Abstand zum darunterliegenden Ziegel justiert. Bei einer hohen Schneebelastung hat der Haken dann Spielraum und kann sich verformen, ohne auf dem Ziegel aufzuliegen. Häufig sind Dachundichtigkeiten durch Ziegelbruch auf den fehlenden Abstand zwischen Dachhaken und Ziegel zurückzuführen. Im Idealfall ist das obere Ende des Dachhakens, dort wo die Modultragschiene befestigt wird, ebenfalls höhenverstellbar. So können unebene Dächer recht einfach ausgeglichen werden, was zudem ein optisch homogenes Modulfeld erzeugt. „Gerade auf alten Dächern machen sich zweifach höhenverstellbare Dachhaken gut, um Höhenunterschiede auszugleichen“, weiß auch Janßen aus Erfahrung. Bei Neubauten bittet er häufig den Dachdecker vor Ort, die Anker gleich mit zu setzen. Nach der Montage bildet das System einen schwimmenden Verbund, bei dem die Lasten sich gleichmäßig auf dem Dach verteilen. Vom Einsatz von Spezialdachsteinen mit vormontierter Befestigung halten beide Berliner Solarprofisdagegen wenig. „Da kostet dann ein Dachstein vielleicht 30 Euro, während wir den herkömmlichen für 99 Cent bekommen“, sagt Holger Freyer. Das hebe unnötig die Kosten der Anlage. Mit solider Handwerkstechnik könne man auf diese Investition getrost verzichten.

Handwerkliche Qualität

Dass sie ihren Kunden handwerkliche Qualität liefern, haben sich Freyer und seine acht Mitarbeiter durch die RAL-Prüfung im Bereich Photovoltaik bestätigen lassen. Das Gütesiegel wird nicht nur für Produkte vergeben, auch Installationsbetriebe können sich testen lassen. „Wir haben immer vier Leute auf der Baustelle. Einen Dachdecker, einen Elektriker und zwei angelernte Kräfte“, berichtet Freyer. Seit zehn Jahren montiert sein Betrieb PV-Anlagen, seit vier Jahren setzt der Berliner auf Tecto-Sun. „Es macht keinen Sinn, vier oder fünf verschiedene Lieferanten zu haben, allein schon wegen der Lagerhaltung“, erklärt Freyer. So hat er immer Ersatzteile am Lager, auf die seine Mitarbeiter schnell zurückgreifen können. Außerdem vereinfache es den Baustellenbetrieb, wenn man sich auf ein System konzentriert.Das zusätzliche Gewicht der Solarmodule und ihres Gestells stecken die meisten Dachstühle mit links weg. „Wir haben festgestellt, dass Dachstühle sehr großzügig dimensioniert sind“, berichtet der Installateur. Heute können Freyers Kunden sich die 200 bis 300 Euro sparen. Ebenso das Schienenmaterial für einen Kreuzverbund. Sowohl für die Statik als auch für die Optik hält Freyer den Kreuzverbund für überflüssig. „Für ein Schrägdach ist es günstiger, die Lasten gleichmäßig auf alle Sparren zu verteilen.“ Gilbert Janßen nutzt den Kreuzverbund, wenn durch die Dachform das Querverlegen der Module angezeigt ist. Im Neubau würde er jedoch immer versuchen, die zweite Schienenlage zu vermeiden.


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