Deutsche Energieversorgung lädt Speicher ferngesteuert über das Netz

Kategorie: Topnews, Speicher und Netze

In der Nacht zum Montag hat die Deutsche Energieversorgung erstmals 47 verteilt stehende Photovoltaik-Batteriespeicher ferngesteuert mit Strom geladen. Das ist ein wichtiger Schritt, damit Speicherbesitzer im Schwarm Regelenergie anbieten und zusätzliche Einnahmen generieren können.

Stromleitungen in der Abendsonne

Batteriespeicher können helfen, das Netz zu stabilisieren.
Foto: pixelio/ Rainer Sturm

„Eine Bombenstimmung“ herrscht bei dem Batteriespeicher-Hersteller Deutsche Energieversorgung, so erzählt es Geschäftsführer Mathias Hammer. Um zwei Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag hätten die Techniker des Unternehmens erstmals bei ihren ersten Kunden ausprobiert, so viel Energie ferngesteuert in die Batterien zu laden, bis diese voll waren. Dieses Mal wurde der Strom eingekauft. In Zukunft soll der leere Speicherplatz als negative Regelleistung Geld bringen.

Die Deutsche Energieversorgung ist bereits letzten Sommer vorgeprescht und hatte angekündigt, den Kunden ihrer Senec-Speicher für Eigenheime die Vermarktung von Regelleistung (Sekundärregelleistung) unter dem Namen Econamic Grid anzubieten. Es zeigt sich, dass es –wie man so schön sagt – etliche Herausforderungen zu überwinden gab und gibt. Zwei besonders schwierige hat das Unternehmen jetzt genommen.

Das Konzept
Der Regelenergiemarkt existiert parallel zum Strommarkt an der Börse und an ihm kaufen die Übertragungsnetzbetreiber kurzfristig positive oder negative Leistung ein. Bei positiver Regelleistung wird Energie in das Stromnetz eingespeist. Bei negativer Regelleistung wird Energie aus dem Stromnetz verbraucht. Ob positive oder negative Regelleistung nachgefragt wird, hängt davon, was nötig ist, um das Stromnetz zu stabilisieren. Das wird umso wichtiger, je mehr konventionelle Kraftwerke stillgelegt werden (Siehe Interview mit Vermarkter Energy2Market)

Um Speicher mit Energie aus dem Stromnetz laden zu lassen, lässt die Deutsche Energieversorgung einen zweiten Stromzähler parallel zum Strombezugszähler installieren. Ein ferngesteuertes Relais schaltet zwischen den beiden Zählern hin- und her. Wenn der Übertragungsnetzbetreiber negative Regelleistung abfragt, wird der Speicher über den neuen Zähler beladen. Für positive Regelleistung ist das System zunächst noch nicht gedacht. Auch regelbare Heizstäbe sollen angeschlossen werden. Wenn der Kunde einen solchen besitzt, wir in Zukunft mit der Regelleistung auch der Heizkessel umsonst erwärmt werden können.

Die Deutsche Energieversorgung will nach Aussage von Mathias Hammer mit dem Angebot nicht direkt Geld verdienen. Die Motivation liegt für ihn darin, mit dem Mehrwert für die Kunden den Absatz der Speichersysteme steigern.

Der Kunde erhält den Strom, der als Regelleistung in Speicher oder Heizstab fließt, kostenlosen. Die Deutsche Energieversorgung schätzt, dass das etwa 2800 Kilowattstunden pro Jahr sein werden. Der Stromanteil, der zum Erwärmen des Heizkessels benutzt wird, dürfte irgendetwas zwischen acht und elf Cent pro Kilowattstunde wert sein. Der Anteil, der in elektrischen Geräten verbraucht wird und damit den Strombezug reduziert, rund 28 Cent – je nach Strombezugskosten. Ganz umsonst ist es für die Kunden nicht. Diese müssen einmalig den zweiten Zähler für 100 bis 120 Euro kaufen.


Wenn zuviel Strom im Netz ist, bekommt man für die abgenommene Energie sogar Geld. Grafik: Deutsche Energieversorgung


Der Status
So weit der Plan. „Wir haben aber die regulatorischen Anforderungen unterschätzt“, erklärt Mathias Hammer. Man merkt ihm an, wie zäh er sich durchbeißt, um sein Projekt durchzusetzen. Insbesondere mit den Netzbetreibern habe es Probleme gegeben.

Bevor der Installateur den neuen Stromzähler installiert, müsse er ihn beim Verteilnetzbetreiber anmelden. Darauf müsse man auf die Bestätigung warten, was fast einen Monat dauern könne. Bei diesem Prozess hat es laut Hammer gehakt, weil etliche Netzbetreiber die Genehmigung nicht hätten geben wollen. Hammer sieht aber das Recht auf seiner Seite, nach seiner Aussage sehen das auch maßgebliche Experten so. Es sei gestattet, bei einem Kunden einen zweiten Bilanzkreis aufzumachen, was mit dem zweiten Zähler geschieht. Er und seine Mitarbeiter, so erklärt es Hammer, hätten die Netzbetreiber „umfassend informiert“, teilweise Klagen angedroht, teilweise auch tatsächlich geklagt. „Einer nach dem anderen bestätigt nun die Zulässigkeit“, sagt Hammer. Inzwischen hätten sie 70 Prozent der Verteilnetzbetreiber durch, darunter auch einige große namhafte.

„Derzeit testen wir die Technik“, sagt Hammer. Das geschieht noch ohne Regelenergie-Vermarktung. Bei den Tests werden die Speicher ferngesteuert statt mir Regelleistung mit „normal“ eingekauftem Strom beladen. Hammer und seine Mitarbeiter müssen zeigen, dass ihre Technik den Anforderungen auf dem Regelenergiemarkt genügen, um sich dafür qualifizieren zu lassen. Diese Präqualifizierung ist nämlich Voraussetzung für die Teilnahme am echten Regelenergiemarkt.

Erfolgreiche Tests
Bei den Tests, die jetzt stattgefunden haben, hat sich gezeigt, worauf die Techniker achten müssen.  Die Kommunikation zwischen der Leitwarte und dem Batteriespeicher erfolgt über das Internet. „Einige Kunden hatten einen Internet-Router gehabt, der in den Nachtmodus schaltet“, erklärt Hammer. Dann sind die Speicher für die Leitwarte nicht zu erreichen. Diese Router seien getauscht worden. Dann hat der Test nach Aussage der Deutschen Energieversorgung funktioniert.

Derzeit wird die Frage diskutiert, ob es überhaupt sinnvoll ist, Regelenergie an Verteilnetze anzuschließen. Mathias Hammer hat daran keinen Zweifel. „Viele BHKWs nehmen doch bereits an der Regelenergie teil und sind auch an der Niederspannung angeschlossen“, erklärt er. Netzgebühren für die Durchleitung der Regelenergie würden sie übrigens abführen.

Ein Hemmnis gibt es durch das EEG. Danach ist es nicht gestattet, den Netz-Graustrom mit dem grünen Solarstrom zu vermischen, der ja eingespeist und dann vergütet werden kann. Nach Aussage der Deutschen Energieversorgung bedeutet das aber nur, dass derzeit noch keine positive Regelenergie vom Speicher in das Netz eingespeist werden dürfe. Doch auch darüber sei gerade ein Klärungsverfahren bei der Clearingstelle in der Vorbereitung. Negative Regelenergie, bei der der Speicher wie in dem jetzt abgelaufenen Test Energie aus dem Netz aufnimmt, dürfe man in jedem Fall anbieten.

Außer der Deutschen Energieversorgung haben in unserer aktualisierten Batteriespeicher-Marktübersicht noch 16 weitere Hersteller angekündigt, dass ihre Kunden von der Vermarktung der Regelenergie profitieren können. Ebenfalls relativ früh haben die Sonnenbatterie in Kooperation mit Lichtblick und Fenecon begonnen, ein Regelenergiekonzept aufzusetzen. Die Konzepte unterscheiden sich jedoch teilweise von dem der Deutschen Energieversorgung (siehe Überblicksartikel pv magazine September 2014). (Michael Fuhs)

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