China Sunergy weiht Modulwerk in Türkei ein

Kategorie: Märkte und Trends, Topnews

Der chinesische Photovoltaik-Hersteller hat in der türkischen Freihandelszone Tuzla/Instanbul eine Modulproduktion mit 120 Megawatt Kapazität eröffnet. Energieminister Taner Yildiz betonte die Bedeutung der Photovoltaik für die Sicherung der Energieversorgung des wirtschaftlichen boomenden Landes und sieht innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre ein Potenzial von drei bis vier Gigawatt installierter Photovoltaik-Leistung.

Frauen bei der Modulfertigung in der Türkei

Der Automatisierungsgrad in der CSUN-Modulfabrik ist relativ gering
Foto: Solarpraxis AG/H.-C. Neidlein

Aufbruchstimmung herrschte am Vormittag in der Freihandelszone Tuzla/Istanbul: China Sunergy (CSUN) eröffnete offiziell die derzeit wohl größte Modulfertigung in der Türkei.  Die Fertigungskapazität in der neuen Fabrik von CSUN am Stadtrand Istanbuls beträgt 120 Megawatt.  Sie soll bis spätestens Jahresende auf 300 Megawatt ausgebaut werden, sagte Steve Shen, Vorstandschef von CSUN Eurasia. Derzeit werden dort nur Module produziert. Die Zellfertigung solle innerhalb der kommenden Monate gestartet werden, wenn final über die angekündigten Importzölle gegen chinesische Solarimporte in der EU entschieden ist. Ebenfalls noch nicht entschieden ist Jonathan Pickering, Vice President Global Business Development & Marketing CSUN, zufolge über den Bezug von Wafern und Ingots. Dies hänge auch stark von den Anforderungen und Auflagen von den neuen Zielmärkten wie Saudi Arabien ab, die von der türkischen CSUN-Fabrik aus beliefert werden sollen. 

Die Modulproduktion in Tuzla ist noch relativ stark manuell ausgerichtet, wie sich bei einem Presserundgang durch die Fabrik zeigte. Im Vergleich zur CSUN-Fertigung in China sei allerdings der Automatisierungsgrad etwas höher, um Kosten zu reduzieren und die Qualität zu sichern, betonte Chen. Doch insgesamt seien die Kosten der Modulfertigung in Tuzla unter anderem aufgrund der Lohnkosten sowie der momentan noch geringen Fertigungskapazität “etwas höher” als in China, sagte Pickering dem pv magazine. Doch diese Mehrkosten würden durch die geringeren Transportkosten und schnellen Lieferzeiten in die benachbarten Märkte ausgeglichen. Dazu kämen – je nach EU-Entscheidung – noch vermiedene Importzölle. Ein weiterer Vorteil der Fertigung der Türkei sind die erhöhten Photovoltaik-Einspeisetarife, die beim Einsatz lokal produzierter Solarkomponenten bezahlt werden. Der Basis-Einspeisetarif beträgt derzeit 13,3 US-Cent pro Kilowattstunde. Für die Verwendung lokal produzierter Module wird ein Zuschlag von 1,3 US-Cent pro Kilowattstunde bezahlt, für lokal produzierte Zellen 3,5 US-Cent pro Kilowattstunde – dazu kommen weitere Bonuszahlungen für lokal hergestellte Wechselrichter oder Montagegestelle. Alles zusammen ergibt das einen erhöhten Einspeisetarif von 19 US-Cent pro Kilowattstunde für den vollen “Domestic Content”.

Die derzeitige Fertigung in der Freihandelszone Tuzla ist allerdings zu über 85 Prozent auf den Export ausgerichtet, wie CSUN Europe-Pressesprecherin Andrea Bodenhagen erläutert. Denn dies ist Voraussetzung für die Produktion in der Freihandelszone mit allen Vorteilen der Steuerersparnis sowie der Verwendung ausländischer Währungen im Zahlungsverkehr. “Wir haben bereits Pläne für eine Fertigung in der benachbarten Industrial Zone in der Schublade, um künftig verstärkt den boomenden türkischen Markt beliefern zu können”, sagt Bodenhagen weiter. Die Projektpipeline von CSUN in der Türkei von 64 Megawatt (Großanlagen über ein Megawatt) muss allerdings noch ein Ausschreibungsverfahren durchlaufen, das Mitte Juni startet. Zusammen mit Seul, einem lokalen Partner, gründete CSUN Eurasia ein eigenes Projektinvestment-Unternehmen, um von Anfang an einen Fuß in diesen attraktiven Markt zu bekommen. 

Auch deutsche Unternehmen wie Enerparc oder Conergy, die die Eröffnungsveranstaltung in Tuzla besuchten, wollen in diesem Markt mitmischen. Insgesamt betrage die Pipeline für Großprojekte mit mehr als einem Megawatt Leistung derzeit mehr als vier Gigawatt, sagte Florian Edler, Leiter Projektentwicklung bei Enerparc. Er rechnet damit, dass spätestens ab Anfang kommenden Jahres “richtig mit dem Bauen gestartet wird”. Entsprechend brach der türkische Energieminister Taner Yildiz bei seiner Eröffnungsansprache eine Lanze für die Photovoltaik. Er unterstrich deren ökonomischen und ökologischen Chancen für die Entwicklung des Landes. Yildiz betonte, dass er nicht nur bei Großanlagen, sondern auch bei kleinen und mittleren Dachanlagen ein großes Potenzial sieht. Innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre sei daher damit zu rechnen, dass drei bis vier Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu installiert würden. (Hans-Christoph Neidlein)


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