Bosch-Betriebsrat tief enttäuscht von Merkel

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Der Konzern wird zum Jahresende aus dem kristallinen Photovoltaik-Geschäft aussteigen. Investoren, die Bosch Solar übernehmen könnten sind noch nicht gefunden. Der Betriebsrat hat sich nun in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin gewandt. Die Mitarbeiter von Bosch Solar fühlen sich von Angela Merkel im Stich gelassen.

Standort von Bosch Solar in Arnstadt

Der Betriebsrat von Bosch Solar in Arnstadt fordert Lösungen von der Kanzlerin.
Foto: Bosch-Gruppe

Der Betriebsrat der Bosch Solar Energy AG hat sich erneut in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. Darin wird die tiefe Enttäuschung der Mitarbeiter über die Kanzlerin zum Ausdruck gebracht. Die Parallele: Vor gut vier Jahren und ebenfalls kurz vor der Bundestagswahl war Merkel im März 2009 zur Grundsteinlegung des Werks von Bosch Solar in Arnstadt gekommen. Damals betonte sie die Zukunftsfähigkeit der Photovoltaik und begrüßte die Schaffung der vielen Arbeitsplätze in der Region. Nun stehen die rund 3000 Arbeitsplätze, die meisten davon in Thüringen, aber auf dem Spiel, da Bosch zum Jahresende aus dem Geschäft mit der kristallinen Photovoltaik aussteigen will. Der Betriebsrat von Bosch Solar fordert die Kanzlerin auf, eine Lösung zu finden. „Wegducken ist hier keine Lösung, hier geht es um tausende Existenzen“, heißt es in dem Brief. 

Weiterhin kritisiert der Bosch Solar-Betriebsrat in seinem Offenen Brief, dass Merkel bislang nicht auf einen ersten Brief von Mitte Mai reagiert habe, in dem bereits die dramatische Situation geschildert wurde. Er fordert, die persönliche Unterstützung der Kanzlerin ein, um den Standort in Arnstadt und die deutsche Solarindustrie insgesamt zu erhalten. „Wir können nicht ansatzweise erkennen, dass Sie zu uns und der von Ihnen einst so hoch angepriesenen Solartechnologie noch stehen“, heißt es in dem Brief. Die Photovoltaik dürfe aber nicht allein den chinesischen Herstellern überlassen werden. Der Bevollmächtigte der IG Metall Erfurt, Wolfgang Lemb, fasst dies in eigenen Worten drastisch zusammen. „Nunmehr, viereinhalb Jahre nach der Rede der Kanzlerin sind die damaligen blumigen Worte nicht mehr als Schall und Rauch. Im Kampf um ihre Arbeitsplätze werden die Beschäftigten von der Bundesregierung bislang links liegen gelassen. Viel schwerer wiegt jedoch, dass die Kanzlerin mit ihrer desaströsen Politik die Energiewende gegen die Wand fährt und untätig zusieht, wie sich für den ehemaligen Leitstern ostdeutscher Spitzentechnologie, die Solarbranche die Rahmenbedingungen existenzbedrohlich verschlechtern“, so Lemb.

Der Betriebsrat lädt die Kanzlerin in dem Offenen Brief im Zuge ihres Wahlkampfs zu einem persönlichen Gespräch ein. „Die Kanzlerin muss sich überlegen, ob sie nun mit uns redet oder nicht. Mehr als 3.000 Betroffene in der Region werden die Botschaft so oder so sicher auch bei der Bundestagswahl am 22. September nicht vergessen“, so der Vorsitzende des Betriebsrat Andy Poblawski. (Sandra Enkhardt)


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