BEE und Eurosolar weiter gegen Kapazitätsmärkte

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Speicher und Netze, Topnews

Der Bundesverband hat bereits im Vorfeld massiv gegen die Einführung von Kapazitätsmärkten Front gemacht. Die Vereinigung Eurosolar legte nun ein Memorandum zum Grünbuch des Wirtschaftsministeriums vor, in dem sie Alternativen aufzeigt.

Solarpark Windpark Stromleitung

Derzeit wird um ein neues Strommarktdesign gerungen.
Foto: Bosch Solar Energy

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) unterstützt ausdrücklich die Ablehnung von Kapazitätsmärkten und die Einführung einer Kapazitätsreserve, wie sie im Grünbuch des Bundeswirtschaftsministeriums formuliert ist. „Angesichts hoher Überkapazitäten in Deutschland und Europa teilen wir die Skepsis der Bundesregierung gegenüber Kapazitätsmärkten“, erklärte Hermann Falk, Geschäftsführer des BEE, auch mit Blick auf die Stellungnahme des Verbands zum Grünbuch. Oft werde übersehen, dass Kraftwerke mit einer Leistung von 3,6 Gigawatt allein in Deutschland eingemottet seien, die jederzeit für abgeschaltete AKW oder alte Kohlekraftwerke einspringen könnten. Ein weiterentwickelter Strommarkt, der durch eine Kapazitätsreserve abgesichert ist, sei langfristig das Fundament für Versorgungssicherheit. „Kapazitätsmärkte sind damit schlicht überflüssig“, so die eindeutige Positionierung des BEE. Die Subventionierung alter Kohlekraftwerke über Kapazitätszahlungen würde der Strom außerdem nur unnötig teurer machen, so Falk weiter.

Der BEE setzt sich für die Flexibilisierung des Strommarktes – einen sogenannten Strommarkt 2.0. Die Vorschläge im Grünbuch von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gehen dabei nach Ansicht des Verbands in die richtige Richtung. Mit dem Grünbuch lege er den Grundstein für den Strommarkt der Zukunft, in dem erneuerbare Energien aus Wind- und Sonnenkraft immer stärker im Mittelpunkt stehen. Netzbetreiber, Verbraucher und Märkte müssten sich daher flexibilisieren. „Je flexibler Erzeuger und Verbraucher sind, desto besser wird ihre Marktstellung im künftigen Energiemarkt sein“, sagt Falk. Damit Erneuerbare mehr Verantwortung im Energiesystem übernehmen könnten, müsse der Strommarkt umfassend flexibilisiert werden.

Die Vereinigung Eurosolar teilt indes diese Ablehnung der Kapazitätsmärkte mit dem BEE. Sie hat derweil ein Memorandum zum Grünbuch vorgelegt. „Wir zeigen darin die Alternative zu dem bislang von der Bundesregierung eingeschlagenen Weg der Energiewende auf“, unterstreicht Axel Berg, Vorsitzender der deutschen Eurosolar-Sektion. Die Vereinigung habe die Befürchtung, dass die Bundesregierung schon mit ihrer EEG-Novelle aus dem August die Energiewende in Deutschland abwürgt. Die Ausschreibungsverfahren würden dies noch verschärfen. Besonders die alleinige Fixierung auf den Strommarkt führe zu teuren Fehlentwicklungen, heißt es in der Stellungnahme zum Grünbuch. „Wir brauchen daher statt eines reinen ‚Strommarkt-Designs‘ eine ‚Neue Energiemarktordnung‘, die die Konvergenz der Energiemärkte herstellt und dieser Konvergenz den Marktrahmen gibt“, erklärt Fabio Longo, Mitglied des Vorstands der deutschen Sektion von EUROSOLAR und einer der Autoren der Stellungnahme.

Der Strommarkt in einer Marktordnung mit Erneuerbaren dürfe nicht allein betrachtet werden. Dies werde insbesondere bei der Entwicklung der Speichermöglichkeiten klar, da hier durch Power-to-Gas oder auch Power-to-Heat nicht nur der Strommarkt, sondern auch andere Energiemärkte betroffen sind. „Betrachtet man hier nur den Strommarkt, so kommt man z.B. bei Power-to-Gas zu absurden Ergebnissen, da die Wärmenutzung bei der Rückumwandlung aus der Bilanz fällt, die Folge könnte eine völlig überzogene und damit viel zu teure Kapazitätsplanung sein“, so Longo weiter. Eurosolar fordere daher unter anderem eine Flexibilitätsprämie im EEG und die Integration von Speichern für ein Gelingen der Energiewende. „Auch wenn wir nur den von der Bundesregierung geplanten langen und damit teuren Pfand der Energiewende gehen werden, brauchen wir in zehn bis 15 Jahren eine industrielle Produktion von Speichern, dafür müssen wir schon heute die Nachfrage ankurbeln“, ergänzt Eurosolar-Industriepolitik-Experte Stephan Grüger. (Sandra Enkhardt)


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