Baywa r.e. fordert Korrekturen am EEG-Entwurf

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Märkte und Trends, Topnews

Interview: Günter Haug, Geschäftsführer von Baywa r.e., forderte auf der Intersolar von der Politik ein Einlenken. Die Zubauzahlen für den PV-Markt in Deutschland sind noch schlechter, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Installateure müssen gegen das negative Image arbeiten und das Segment der Gewerbeanlagen benötigt noch etwas Zeit.

Portrait Günter Haug

Baywa r.e. Geschäftsführer Günter Haug
Foto: Baywa r.e.

Auf  der diesjährigen Intersolar strahlte der Stand des Solargroßhändlers und Projektentwicklers Baywa r.e. in alt bekannter Größe. Auch die Zahl der Besucher ist nach Auskunft des Unternehmens nicht zurückgegangen. Doch das darf nicht über die allgemeine Marktsituation hinwegtäuschen. Im vergangenen Jahr sind einige Wettbewerber durch Insolvenz oder eine neue strategische Ausrichtung aus dem Markt ausgestiegen, was für die verbliebenen Großhändler natürlich gut ist. Baywa r.e. hat außerdem den Vorteil, durch die Anbindung an den Baywa Konzern nach wie vor eine günstige Finanzierung durch die Banken zu bekommen. Das ist für einen Großhändler essentiell, da eine seiner Aufgaben die Lagerhaltung ist, die viel Kapital bindet und den Installateuren nicht zu enge Zahlungsziele setzen will. Baywa r.e. gewährt zum Beispiel ein Zahlungsziel von bis zu 30 Tagen.

Auf der Intersolar präsentierte das Unternehmen unter anderem eine verbesserte Version seines aerodynamisch optimierten Flachdachsystems, das im September auf den Markt kommen soll. Die Rückseitenbleche sind so versteift worden, dass ein Modulfeld starrer ist als vorher. Auch ohne zusätzliche Querschienen kann es  nun nach Aussagen von Günter Haug nicht durch starke Windlasten einknicken. Dadurch könne der Materialaufwand und die Ballastierung reduziert werden.

Herr Haug, wie liefen die ersten sechs Monate?

Haug: Der Markt hat im Januar und Februar an sich ganz gut begonnen. Im März, April und Mai haben wir dann aber keinen großen Anstieg der Nachfrage und des Zubaus gesehen. Ein Anstieg wäre der Normalfall, da ja das Wetter besser wird und die Endkunden mehr an die Nutzung der Solarenergie denken. Der Zubau ist jetzt mit etwa 150 Megawatt pro Monat in einem stagnierenden Zustand. Wie sich der Zubau zukünftig entwickelt, hängt ganz von der Ausgestaltung der EEG-Novelle ab..

Woran liegt es, dass es dieses Jahr keine Steigerung gab?


Wir hatten die Steigerung im Prinzip schon im Februar. Da war das  Wetter recht gut. Im Februar fand also quasi schon der Zubau statt, der normal erst im Frühling auftritt.

Das heißt, wenn man die Februarzahlen als Referenz für das gesamte Jahr nimmt, täuscht das zu gute Zahlen vor.

Genau. Nur um ein Missverständnis zu vermeiden: Die Februarzahlen waren dieses Jahr durch das günstige Wetter zwar verhältnismäßig gut, aber trotzdem schlechter als im Februar 2013.

Warum ist der Zubau so gering und was kann der Installateur tun?

Wir stellen generell fest, dass der Endkunde, sei er privat oder gewerblich, durch die vielen EEG-Änderungen und die Diskussionen verwirrt ist. Ich werde auch im Bekanntenkreis oft gefragt: Gibt es überhaupt noch eine Einspeisevergütung? Also nicht einmal das ist noch bekannt. Dementsprechend muss man in der Kundenansprache ganz von vorne beginnen und sagen, was Photovoltaik eigentlich kann, was es derzeit für Einspeisevergütungen gibt, was Eigenverbrauch ist. Man muss sehr viel Beratungsleistung investieren, bis man einen Kunden so weit hat, dass er die Photovoltaikanlage als lohnende Investition sieht.

Große Hoffnungen liegen im Segment der Gewerbeanlagen. Warum tragen diese noch keinen großen Zubau?

Es dauert eine Weile, bis die privaten und gewerblichen Endkunden nachvollziehen können, dass sich Eigenstromnutzung lohnt. Wir haben diese Erfahrung auch beim Verkauf von Batteriespeichersystemen gemacht. Es sind ja auch schon früher gewerbliche Anlagen gebaut worden, aber bis dieses Segment zu einer tragenden Säule im Zubau wird, müssen wir sicherlich noch einige Zeit im Markt arbeiten. Wir schulen zum Beispiel unsere Installateure darin, dass sie in diese Richtung akquirieren. Für sie lohnt es sich. Der Akquiseaufwand für eine private Anlage mit 5 oder 6  Kilowatt ist oftmals der gleiche wie für eine große Anlage mit 100 oder 200 Kilowatt.

Was macht es kompliziert, Eigenstromanlagen im Gewerbebereich zu verkaufen?

Das größte Hemmnis ist im Moment wie gesagt der negative Ruf  den die Photovoltaik zu Unrecht in der Öffentlichkeit hat.. Dagegen ist es oftmals gar nicht mehr bekannt, dass Photovoltaik ein interessantes Instrument ist, die Stromkosten auch eines Gewerbebetriebs zu stabilisieren oder sogar zu mindern. Wenn das Dach geeignet ist und wir es geschafft haben, mit einem Gewerbetreibenden über eine PV-Anlage zu sprechen und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung fundiert vorzulegen, dann sind wir schon sehr nahe an einem Auftrag.

Auch die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für eine Eigenverbrauchsanlage im Gewerbe ist kompliziert. Warum?

Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen kann man in einem ganz unterschiedlichem Detaillierungsgrad anstellen. Bei großen Gewerbebetrieben bekommen wir die Auswertungen des Lastgangszählers. Wir haben dann das Stromprofil oftmals über ein komplettes Jahr. Dazu simulieren wir eine PV-Anlage  und werten wirklich Viertelstunde für Viertelstunde aus, wie viel Eigenverbrauch möglich wäre. Da können wir eine sehr detaillierte und fundierte Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen. Bei kleineren Betrieben verwendet man oftmals Standardlastprofile. Auch damit kann eine sehr gute Näherung dessen erzielt werden, wie viel Eigenverbrauch möglich ist.

Können das auch Installateure leisten?

Viele Installateure können das. Wenn nicht, können sie gerne zu uns kommen und wir helfen ihnen weiter.

Denken Sie, dass sich das negative Image wieder ändern lässt?

Ich fände es schön, wenn die Politik den Bürgern klar sagen würde, woher die Strompreiserhöhungen kommen. Wir haben seit drei Jahren fast keine Änderungen im Umlagevolumen, das von den Stromkunden getragen und auf den Strompreis umgelegt werden muss. Wir haben aber einen drastischen Anstieg der EEG-Umlage. Dass das vor allem daran liegt, dass Unternehmen von der Umlage befreit sind und dass der Börsenstrompreis stark gesunken ist, wird oftmals verschwiegen. Die Politik hat sich jetzt aber in die Richtung eingeschossen, dass die Erneuerbaren an der Strompreiserhöhung schuld sind. Ich glaube nicht, dass  sich das noch mal ändern lässt. Diese Aufklärungsarbeit müssen wir leisten.

Was fordern Sie von der Politik?

Von der Politik können wir fordern, dass, wer ernsthaft weiter Photovoltaik in Deutschland haben will und 2,5 Gigawatt Zubau im Jahr anstrebt,  auf keinen Fall die Bedingungen für Solarstrom verschlechtern darf.

... wie es durch die geplante EEG-Umlage auf Eigenverbrauch geschehen soll.

Bei dem jetzigen EEG lohnen sich sicherlich sehr viele gewerbliche Eigenverbrauchsanlagen. Nicht jede, auch nicht jede Privatanlage lohnt sich, je nachdem, wie das Gebäude ausgerichtet ist oder wie schwer es ist, die Anlage dort zu montieren. Wo die Wirtschaftlichkeit unter dem jetzigen EEG gerade noch gegeben ist, wird sich im neuen EEG die Wirtschaftlichkeit für einen Gewerbetreibenden nicht mehr darstellen lassen und er wird sich gegen eine Anlage entscheiden. Auch wenn wir jetzt versuchen, dieses Segment Gewerbekunden noch stärker zu penetrieren, kann es uns durch das neue EEG passieren, dass wir immer häufiger die Antwort bekommen, dass man nicht in Photovoltaik investiert. Wenn man mit aller Gewalt eine EEG-Umlage einführen will, dann bitteschön auf einem deutlich niedrigeren  Niveau von 15 Prozent., . Auf jeden Fall sollte man die Bagatellgrenze von zehn Kilowatt auf 30 oder besser 100 Kilowatt erhöhen.

Was sollte die Politik sonst noch ändern?

Mir gefällt der Vorschlag des Bundesrats sehr gut, den Mechanismus in der EEG-Degression zu verändern. Die EEG-Vergütung muss sich schneller an den Markt anpassen. Es sollte nicht ein 12-Monats-Zeitraum sein, der zur Berechnung der EEG-Vergütung herangezogen wird, sondern ein kürzerer. Vorgeschlagen sind drei Monate. Dann würde die Einspeisevergütung in Abhängigkeit des Zubaus gegebenenfalls auch wieder schneller steigen können. Wir haben seit fast einem Jahr, seitdem die  chinesischen Mindestpreise eingeführt wurden, ein stabiles Modulpreisniveau. Seither sinkt die Einspeisevergütung aber um 1 bis 1,5 Prozent pro Monat. Wenn die Entwicklung so weitergeht, dass die Systemkosten einer Photovoltaikanlage stagnieren und die Einspeisevergütung weiter sinkt, lohnt sich der Bau von Anlagen für einen Betreiber immer weniger.

Wo sehen Sie die Perspektive für Ihr Unternehmen?

Wir wollen mit gezielten Maßnahmen zusammen mit unseren Partnerkunden im Handwerk Endkunden für PV begeistern und stellen ihnen die neuen Möglichkeiten wie Stromspeicherung in Batteriespeichersystemen oder die effiziente Wärmeerzeugung über Wärmepumpen dar. Dazu sprechen wir Endkunden über viele Kanäle wie beispielsweise über die die Internetseite www.sonne-rechnet-sich.de  an. Gleichzeitig bieten wir Kunden, die ihre bisherige Bezugsquelle  unter den Großhändlern verloren haben oder mit ihr nicht mehr zufrieden sind, ein attraktives Gesamtpaket an, wodurch wir weiter Marktanteile gewinnen wollen. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Photovoltaik auch in Zukunft eine lohnenswerte Rolle im Energiemix spielen wird und ihren Beitrag zur Energiewende leisten kann. Daran sollten wir auch in diesen turbulenten Zeiten festhalten.

Das Gespräch führte Michael Fuhs


Baywa r.e. bietet etliche Speichersysteme an, die sie in unserer Produktübersicht Batteriespeichersysteme finden.


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