Ausweg Innovation

Kategorie: 07 / 2012, Märkte & Trends Michael Fuhs, William Vorsatz

Intersolar: Weniger Aussteller und weniger Besucher sind nach München gekommen, die Krise der Branche war sichtbar. Aber die Hersteller und Händler zeigten auch, wie die kritische Situation am besten zu überwinden ist: mit innovativen Produkten, weiteren Kostensenkungen und mehr Service.

Der Westeingang zum Messegelände in München. Die Intersolar Europe ist die weltweit wichtigste Messe für Photovoltaik und auch Barometer für die Stimmung in der Branche.
Foto: Solarpraxis AG/Mirco Sieg

Weniger Gedränge in den Messehallen. Bei den Ausstellern fehlten in diesem Jahr vor allem chinesische Hersteller aus der zweiten Reihe.
Foto: Solar Promotion

Speicherung und Netzintegration waren die großen Themen auf der diesjährigen Intersolar Europe und auch Gegenstand der Vorträge auf der begleitenden Sonderschau PV Energy World.
Foto: Solar Promotion

Kostenreduktion und zusätzlicher Service waren Themen auf der Intersolar Europe.
Foto: Solar Promotion

Das Wetter passte zur Stimmung in München. Während es in den letzten Jahren zur Intersolar Europe sonnig war, startete die Intersolar 2012 mit kühlem Wetter und Regen, zum Teil sogar Hagel. Zum Ende der Messe hatte sich die Sonne dann aber doch wieder durchgesetzt – ein Analogie zu den Befindlichkeiten auf der Intersolar.

In den Messehallen war der Besucherstrom eher verhalten. Kein Vergleich mit den letzten Jahren, wo es schon schwer war, morgens überhaupt in die U-Bahn zum Messegelände zu kommen. Die allgemeine Zurückhaltung machte sich auch in den Zahlen deutlich. In der Vergangenheit war es für den Veranstalter Solar Promotion schon fast zur Routine geworden, jedes Jahr neue Rekorde zu vermelden. Anders in diesem Jahr. Zum ersten Mal ist die Messe gegenüber dem Vorjahr geschrumpft. Waren es 2011 noch 2.280 Aussteller, so kamen diesmal nur noch 1.909. Es fehlten vor allem chinesische Hersteller aus der zweiten Reihe. Und auch bei den Besucherzahlen täuschte der erste Eindruck nicht. Sie sind ebenfalls zurückgegangen, von rund 77.000 im vergangenen Jahr auf circa 66.000 in diesem.

Bei den anwesenden Unternehmen und Institutionen war die wahre oder zur Schau gestellte Stimmung von Ausstellerzu Aussteller ganz verschieden. „Es gibt nicht viel zu tun“, klagte etwa Michael Hoppenburg von HR Personal Consulting . Der Personaldienstleister mit Hauptsitz in Dresden ist auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften für die Erneuerbare-Energien-Branche spezialisiert. Im Bereich Photovoltaik fehlen zurzeit neue Jobs und auch Interessenten. „Die Solarbranche hat deutlich an Attraktivität verloren“, urteilte Hoppenburg, der früher beispielsweise für First Solar Fach- und Führungskräfte gesucht hat. Doch der Dünnschichthersteller produziert nicht mehr in Deutschland, wie so viele andere auch. „Gesucht werden jetzt fast nur noch Leute für den Vertrieb, vielleicht mal Projektierer fürs benachbarte Ausland“, beispielsweise für Polen, dann aber möglichst mit Kenntnissen der Landessprache. Also hatte Hoppenburg schon mal seine neue polnische Mitarbeiterin mitgebracht, die sich zwischendurch auf dem Job- und Karriere-Forum der Intersolar nach den Trends umhörte.

Spezialisierung auf kleine und mittlere Anlagen

Andere dagegen gaben sich optimistischer. Zum Beispiel diejenigen, die ihr Geschäft mit dem Vertrieb machen. „Wir setzen 2012 auf Wachstum“, sagte Axel Berger, Geschäftsleiter Photovoltaik von Saint-Gobain Building Distribution Deutschland (SGBDD) mit der Vertriebsmarke Solarkauf . Ähnlich wie Centrosolar (siehe photovoltaik 6/2012 ab Seite 32) hat sich SGBDD auf kleinere und mittlere Dachanlagen und das Angebot kompletter Systeme spezialisiert. Dazu kommt bei Solarkauf ein flächendeckendes Netz von 70 Vertriebspunkten in ganz Deutschland, besetzt mit Regionalmanagern und technischen Außendienstlern. SGBDD geht diesen Weg seit drei Jahren. Aber jetzt zahlt sich die Strategie durch die EEG-Novelle, die vermutlich die Förderung großer Anlagen einschränkt, erst richtig aus. Berger sieht sogar bei einem Wegfall des EEG gute Perspektiven, vor allem weil der konventionelle Strompreis seiner Meinung nach immer weiter steigen wird und der Photovoltaikstrom bei sinkenden Systemkosten an Attraktivität gewinnt. Einen finanzstarken Mutterkonzern im Rücken, weitere Expansion ins Ausland und das flächendeckende Angebot kompletter Systeme einschließlich neuer Speicherlösungen, das seien derzeit ganz gute Optionen für die Zukunft. Solarkauf beispielsweise hat zusammen mit dem Batterieproduzenten Varta auf der Intersolar Speicherlösungen mit Lithium-Ionen-Zellen vorgestellt.

„Die Kunden denken über Energie-Autarkie nach“, das sagte auch Hans-Thomas Fritzsche, Geschäftsführer der deutschen Tochter von Sputnik Engineering , dem schweizerischen Wechselrichterhersteller hinter dem Markennamen Solarmax. Das Unternehmen habe zwar noch eine Konzeptstudie erstellt, „aber aufgrund der hohen Kosten für die Batterien und der Vielfalt der Batterietechnologien noch kein eigenes Komplettsystem im Angebot“. Solarmax bietet mit dem MT3-Wechselrichter im Leistungsbereich von 10 bis 15 Kilowatt allerdings einen kompatiblen Wechselrichter für ein solches Speichersystem. Er könne mit einem bidirektionalen DC-Ein- und -Ausgang ausgestattet werden und ermögliche so das Auf- und Entladen einer Batterie.

Zwischen Totalausfall und moderat

Wie das zweite Halbjahr in Deutschland aussehen wird? „Zwischen Totalausfall und moderat ist alles möglich“, so Fritzsche. Angesichts des unsicheren deutschen Marktes richtet Sputnik seine Aufmerksamkeit auch auf internationale Märkte und blickt vor allem bei Wechselrichtern für größere Anlagen auch nach China. Trotz der vielen expandierenden chinesischen Wechselrichterhersteller ist Fritzsche optimistisch. „Wir sehen noch nicht, dass sie so erfolgreich sind.“ Schweizerische Qualität und Zertifizierung nach anerkannten europäischen Normen seien da hilfreich.

Während europäische Produzenten mittlerweile auf den chinesischen Markt drängen, kaufen die chinesischen Hersteller immer öfter europäische, insbesondere deutsche Hersteller auf. Auch Hanergy , das größte nichtstaatliche Erneuerbare-Energien-Unternehmen in China, erwirbt hierzulande Know-how und Kapazitäten. Zu seiner Größe hat es Hanergy bisher vor allem mit installierter Wasserkraftleistung gebracht. In Deutschland ist der Konzern durch den geplanten Kauf der insolventen Q-Cells-Tochter Solibro schlagartig bekannt geworden. Solibro produziert Dünnschichtmodule auf Basis der CIGS-Technologie. Die Produktionskapazität soll nach dem vollzogenen Kauf auf jährlich 100 Megawatt erhöht werden. Beide Seiten versprechen sich von der Transaktion neue Synergien für ihr Geschäft, sagte Huidong Wang, Director Marketing Department bei Hanergy. „Wir wollen Solibro wettbewerbsfähiger machen und in die Hanergy Holding Group integrieren.“

Bosch Solar baut aus

Inmitten der Krise hat Bosch Solar Energy expandiert. So hat das integrierte Unternehmen im französischen Vénissieux Mitte März eine neue Fertigungsstätte für kristalline Module mit rund 200 Mitarbeitern in Betrieb genommen. Mit einer Produktionskapazität von 150 Megawatt ist es die größte Modulfertigung in Frankreich. Auf der Intersolar stellte Bosch erstmals die gesamte Palette mit Modulen aus den Fertigungsstätten in Frankreich und Deutschland aus. Ein Highlight auf der Ausstellungsfläche von Bosch Solar waren Module mit der neuesten Generation monokristalliner Hochleistungszellen mit selektiven Emittern und einer längs verlaufenden Pyramidenstruktur für mehr Lichtreflexion auf die Solarzellen.

Die hochwertigen Zellen und Module sind das Ergebnis intensiver eigener Forschung vom Ingot bis zum Modul. „Wir haben im letzten Jahr ein Forschungs- und Entwicklungszentrum mit über 120 Ingenieuren und Mitarbeitern eröffnet, in unmittelbarer Nähe zu unserer Produktionsstätte in Arnstadt“, so der Vorsitzende des Bereichsvorstands Solar Energy bei Bosch, Holger von Hebel. Dazu kämen weitere fertigungsnahe Entwickler. „Forschung und Entwicklung lohnen sich. In der gesamten Wertschöpfungskette gibt es immer noch einen hohen Bedarf an Forschung.“ Im thüringischen Arnstadt wird gleichzeitig an der Entwicklung, Skalierung und Industrialisierung gearbeitet. „Dazu können wir auf sehr gute Fachkräfte mit reichhaltigem Know-how bei der Skalierung zurückgreifen“, so von Hebel. Die Zukunft der Massenfertigung sieht er aber in Ländern mit niedrigeren Lohnkosten als in Deutschland, auch wenn die Eröffnung der neuen integrierten Fertigungsstätte in Malaysia verschoben wurde. „Wir warten, bis wir dort mit neuesten Technologien fertigen können. Im nächsten oder übernächsten Jahr wird der Markt in Asien wieder sehr aufnahmefähig sein.“ Von Hebel räumt ein, dass die Zeiten hart sind, auch für Bosch Solar Energy. „Der enorme Preisverfall war so nicht eingeplant.“ Es werde einige Jahre dauern, bis die Erträge stimmen. Aber der Mutterkonzern Bosch glaube an die Technologie. Bosch Solar Energy erwirtschaftete 2011 knapp zwei Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Da dürften vorübergehende Verluste verkraftbar sein.

Leichte Doppelglasmodule

Auch Centrosolar präsentierte in der Krise Neuheiten. Am Stand des Unternehmens war ein Doppelglasmodul zu besichtigen, das nur 1,5 Kilogramm schwerer ist als ein Glas-Folie-Modul, aber nach den Erwartungen des Unternehmens 30 bis 35 Jahre hält. Normalerweise wiegen Doppelglasmodule ungefähr das Doppelte. Der Trick besteht darin, dass eine Glasscheibe nur gut zwei Millimeter statt normalerweise 3,5 Millimeter dick ist. Es komme aus der eigenen Produktion – was bei solch einem Projekt bestimmt von Vorteil ist. Denn dass es bisher nur Module mit dickeren Gläsern gebe, liegt nach Aussage von Centrosolar-Vorstandsmitglied Johannes Kneip an den Glas-Produktionsverfahren. Erst jetzt sei es möglich geworden, derart dünne Gläser in ausreichender Härte herzustellen. Das leichte Doppelglasmodul soll zusammen mit einem neuen Indachsystem angeboten werden, in das es der Installateur als Laminat einlegt. Es soll im Oktober auf den Markt kommen, kurz danach soll ein Aufdachsystem folgen. Diese Art Gläser, die die dünnen und leichten Doppelglasmodule möglich machen, sind allerdings auch frei erhältlich. So arbeitet zum Beispiel der Modulhersteller Jurawatt an einem solchen Modul. Besonders die Laminierung erfordere dabei Anpassungen. Auf der Intersolar stellte das Unternehmen das hitzebeständigere Modul aus, das es auch schon im Vorjahr präsentiert hatte und das für den Intersolar Award nominiert war. Es nutzt keine herkömmliche EVA-Folie, sondern ein neues Produkt auf Silikonbasis. Die Tests daran haben sich verzögert und dauerten noch an, da doch immer wieder neue Fragen auftauchten, wo einzelne Produktionsschritte angepasst werden müssten. Zwar ist auch die neue Folie bei Zulieferern erhältlich, doch die Tests verschaffen Jurawatt einen Innovationsvorsprung.

LG Electronics hat auf der Intersolar ein Modul aus einer Pilotlinie mit 18 Prozent Wirkungsgrad vorgestellt, ein Plus von über zwei Prozentpunkten im Vergleich zu den jetzigen Modulen. Bis Ende des Jahres soll eine 75-Megawatt-Produktionsanlage für das neue Modul aufgebaut sein, so dass es serienmäßig Anfang 2013 auf den Markt kommen soll. Es verwendet sogenannte n-Typ-Zellen, mit denen prinzipiell ein höherer Wirkungsgrad möglich ist als mit den konventionellen p-Typ-Zellen. In Forschungslaboren wird schon länger an dieser Technologie gearbeitet. Bisher hat sie vor allem Yingli mit den Panda-Zellen in die Produktion gebracht. Wenn man Kosten senken will, „geht an einer Erhöhung des Wirkungsgrades kein Weg vorbei“, sagt Michael Harre, Vizepräsident der EU Solar Business Group von LG zu der Entscheidung.

Erleichterung für Installateure

Bei den Standardmodulen stellte LG ebenfalls Verbesserungen vor, die das Herz von Installateuren höher schlagen lassen sollten. Erstens sinkt das Gewicht der Module von 18,4 auf 16,8 Kilogramm. Dazu haben die Entwickler untersucht, wie dick der Rahmen wirklich sein muss, um die üblichen 5.400 Pascal Belastung auszuhalten, und ihn daraufhin von 42 auf 35 Millimeter reduziert. Außerdem sind die Stellen für die Klemmen markiert und die Anschlusskabel hängen nicht mehr einfach in der Mitte der Rückseite herunter, sondern sind mit Clips links und rechts am Rand befestigt, so dass man sie bei der Montage einfach greifen kann.

Diese Messe machte jedoch deutlich, dass auch bei partiellen Erfolgen in der Krise Kosten gespart werden müssen. Das zeigt das Beispiel Solar Frontier . Das Unternehmen hat letztes Jahr eine 900-Megawatt-Produktion für CIGS-Dünnschichtmodule hochgefahren und war dieses Jahr nicht einmal mit einem Messestand vertreten. Wer die Mitarbeiter treffen wollte, musste einen Termin vereinbaren oder auf den Besuch am eigenen Messestand hoffen. Die Evaluierung hat nach Aussage von Wolfgang Lange, Managing Director von Solar Frontier Europe, ergeben, dass das effizienter sei. Letztes Jahr hat das Unternehmen Module mit einer Leistung von 600 Megawatt verkauft, davon 70 Prozent im japanischen Heimatmarkt. Die Module seien zwar für alle Sektoren geeignet, aber es sei deutlich einfacher, hohe Volumina über große Projektierer abzu

setzen als über die Installateure, die auf Wohnhäusern montierten.

Fortschritte bei CIGS

Während einige Modulhersteller wie Bosch Solar Energy sich selbst als Projektierer betätigen, tut sich Solar Frontier dazu in dem Joint Venture PV CIStems mit dem Projektierer Belectric zusammen. Er ist dafür bekannt, Dünnschichtmodule zu verbauen. Der Vorteil ist laut Brooks Herring, dem Vizepräsidenten für Kommunikation, dass man nicht mehr bei den Modulpreisen mit den Wettbewerbern konkurriere, sondern bei den Systempreisen. Gleichzeitig geht die Entwicklung der Zellen und Module voran. Dieses Jahr kam die sogenannte S-Serie auf den Markt, mit Modulen zwischen 140 und 160 Watt Leistung. Die Leistungstoleranz liege nur noch zwischen null und plus fünf Prozent. Dass jetzt auch bei den Dünnschichtmodulen ähnlich wie schon vor einiger Zeit bei den kristallinen Modulen das Toleranzfenster kleiner wird, spiegelt den Fortschritt bei der Modulproduktion wider.

Auch der Wettbewerber Avancis stellte ein neues Modul vor. Die Module der Powermax-smart-Serie seien leichter als die bisherigen Modelle und könnten mit Backrails befestigt werden. Sie seien für große Dächer und Freiflächen gedacht.

Während andere asiatische Modulhersteller auf die klassischen Hocheffizienztechnologien wie selektive Emitter, passivierte Rückseite und n-Typ-Wafer setzen, arbeitet der chinesische Hersteller Phono Solar zusammen mit einem amerikanischen Forschungsinstitut an der sogenannten Black-Silicon-Technologie. Dabei modifizieren die Forscher die Oberfläche des Wafers so, dass mehr Licht absorbiert wird. Damit will das Unternehmen den Wirkungsgrad um 0,5 bis einen Prozentpunkt steigern, den Ertrag sogar um zehn Prozent.

Phono Solar hat eine Produktionskapazität von 450 Megawatt und möchte um zusätzliche Megawatt erweitern. Auf die Frage, ob das Unternehmen unter dem derzeitigen Preisdruck noch die Produktionskosten decken könne, sagte Cai Jibo, Präsident von Phono Solar, sie seien „noch profitabel, aber nicht sehr“. Raum für eine weitere Preissenkung sieht er daher nicht.

Ähnliches dürfte für viele Hersteller zutreffen. Die wirtschaftliche Situation der Aussteller gleicht dem Wetter, wie es auf der Intersolar war. Unfreundlich, aber mit einer vagen Aussicht auf sonnigere Zeiten. Letzteres gilt jedoch nur für die, die Reserven und ein klares Ziel haben – weitere Kostensenkungen und Vorsprung durch Innovationen.


Intersolar Neuheiten in der photovoltaik

Mehr Informationen zur Intersolar finden Sie auf folgenden Seiten:

• Wechselrichter, Seite 42

• Montagesysteme, ab Seite 44

• Speichersysteme, ab Seite 64

• Neue Produkte, ab Seite 75

Neuheiten bei WechselrichterN und dem elektrischen Anschluss

Insgesamt hatte die Intersolar nach Angaben der Aussteller zwar rund 13 Prozent weniger Besucher. Wo das allerdings überhaupt nicht auffiel, war an den Ständen der Wechselrichterhersteller. Dort war zeitweise kaum ein Durchkommen, das Interesse immens. „Wir haben ein Rekordniveau erreicht und die Anzahl der aufgenommenen Kontakte um circa 15 Prozent gesteigert“, sagt Markus Vetter vom Unternehmen Kostal, das Anschlussdosen und Wechselrichter herstellt. Ein großer Teil des Zuwachses liege dabei im Produktbereich Wechselrichter.

An Neuheiten stachen vor allem zwei Geräte durch Einführung einer neuen Technologie ins Auge. Power-One

hat einen wassergekühlten Zentralwechselrichter vorgestellt. Er hat nach Aussage von Alex Levran, President Renewable Energy Solutions, etliche Vorteile gegenüber den luftgekühlten Vorgängern und Wettbewerbern (siehe Seite 76). Auch die Marktentwicklung macht ihm keine Sorgen. Der Markt werde eventuell etwas schrumpfen, aber er werde nicht verschwinden. Noch sehe sein Unternehmen ein wachsendes Geschäft, unter anderem sei es auch in China selbst erfolgreich. Das zeige, dass es preislich durchaus mit den dortigen Herstellern mithalten könne.

Die zweite Neuerung stellte Refusol vor. Der Hersteller präsentierte einen 20-Kilowatt-Wechselrichter, der statt Transistoren aus Silizium solche aus dem Halbleitermaterial Siliziumkarbid nutzt (siehe Seite 77). Für die Dioden ist das nicht mehr so ungewöhnlich, und auch Refusol setzt seit 2007 solche aus dem neuen Material ein. Doch Geräte mit Siliziumkarbid-Transistoren hatten zuvor nur Forschungsgruppen präsentiert (siehe photovoltaik 04/2010, Seite 64, und 03/2009, Seite 62). Im Allgemeinen haben die Siliziumkarbid-Bauelemente geringere Schaltverluste. Refusol gibt an, dass es bei dem neuen Gerät trotz der höheren Kosten für den Halbleiter jetzt wirtschaftlich sei, Siliziumkarbid zu nutzen. Unter anderem sei die Effizienz mit einem maximalen Wirkungsgrad von 98,7 Prozent und mit einem europäischen Wirkungsgrad von 98,5 Prozent sehr gut und dank des neuen Materials sei diese über den gesamten Leistungs- und Eingangsspannungsbereich „herausragend“.

Auch sonst hatte wie auch auf den vergangenen Messen fast jeder Hersteller Neuerungen im Angebot. Teilweise bei den Speichertechnologien (siehe Artikel Seite 64), über andere haben wir bereits in der Juniausgabe berichtet. Weitere Informationen finden Sie ab Seite 75 in der Rubrik Produktneuheiten. So hat Sputnik unter anderem vier Geräte im Leistungsbereich bis fünf Kilowatt vorgestellt, Danfoss neue kleine Trafogeräte und Delta kleine Geräte, die jetzt auch das in Deutschland seit Januar geforderte Einspeisemanagement unterstützen. Kostal setzt auf Evolution statt Revolution. Das Unternehmen unterzieht seine Produkte sukzessive einem Redesign. So sei jetzt zum Beispiel der Freischalter so angeordnet, dass er besser geschützt sei, und für das Handling gebe es nun Griffmulden.

Nachdem die Module bereits zu einem guten Teil aus China kommen, macht jetzt auch der chinesische Wechselrichterhersteller Sungrow Fortschritte. Für Tobias Krauth, Vertriebsleiter Deutschland von Sungrow, verlief die Messe sehr positiv. Zurzeit seien die Geräte bei drei Händlern in Deutschland erhältlich. „Wir haben erfolgreiche Gespräche geführt, und wir werden im zweiten Halbjahr noch von weiteren großen Händlern geführt werden“, sagt er. Bisher gab es dreiphasige Geräte im Nennleistungsbereich von 10 bis 15 Kilowatt, jetzt kommt ein 20-Kilowatt-Gerät dazu, später soll ein 30-Kilowatt-Gerät folgen, das im Vergleich zu den anderen Produkten Platz für Sicherungen und Überspannungsschutz bietet. Allerdings hatte Sungrow auf dem deutschen Markt eine Durststrecke zu überwinden. Denn erst seit Mai 2012 sind die Geräte für die BDEW-Mittelspannungsrichtlinie zertifiziert, die seit April 2011 gilt. Die kleineren einphasigen Geräte wird es sogar erst wieder ab dem vierten Quartal so geben, dass sie hierzulande einsetzbar sind. Erst dann werden sie die Niederspannungsrichtlinie und das Einspeisemanagement abdecken. Das liegt zum einen daran, dass es für chinesische Entwickler schwieriger ist, den sich schnell ändernden Anforderungen zu folgen, als für deutsche, die ja sogar oft in den Normungsgremien sitzen. Zum anderen war Deutschland bisher kein Kernmarkt für das Unternehmen, das 2011 rund 80 Prozent seiner Produkte in China verkauft hat. Es war also gar nicht so wichtig, auf die Richtlinien zu reagieren. Was den Service angeht – eine gerne geäußerte Skepsis gegenüber chinesischen Anbietern in Deutschland (siehe photovoltaik 03/2011, Seite 88) –, hat das Unternehmen nach der Gründung der deutschen Niederlassung nach eigenen Aussagen aufgeholt. Jetzt sei garantiert, dass wie üblich der erste Service spätestens 24 Stunden nach Meldung reagiere, ein Austauschgerät sei spätestens 24 Stunden später verfügbar.

Im Zusammenhang mit den Wechselrichtern dürfte auch interessant sein, dass Solaredge seine Leistungsoptimierer so verändert hat, dass sie jetzt ohne zusätzliche Hilfsmittel mit den Geräten aller Hersteller laufen. Bisher mussten die Installateure die hauseigenen Solaredge-Wechselrichter nutzen oder eine zusätzliche Box einbauen, die die Kommunikation der Leistungsoptimierer mit den Wechselrichtern übernahm. Dass es jetzt ohne geht, erleichtert zum Beispiel die Nachrüstung alter Anlagen. Allerdings hat es im Prinzip nach wie vor Preis- und Effizienzvorteile, die Solaredge-Leistungsoptimierer mit den Solaredge-Wechselrichtern zu betreiben. Denn die Leistungsoptimierer regeln den MPP am Modul, so dass der Wechselrichter diese Stufe nicht mehr benötigt und sie Solaredge in den eigenen Geräten einspart. Außerdem können die Leistungsoptimierer auf eine konstant hohe Stringspannung optimieren, wodurch ohne zusätzliche elektronische Stufen die Wechselrichter eine höhere Ausgangsspannung erzielen können. Die neuen Leistungsoptimierer sind außerdem elektronisch mehr integriert als ihre Vorgänger, was Bauteile spart und die Ausfallwahrscheinlichkeit reduziert. Falls ein Optimierer ausfällt, lässt er sich jetzt mit einem Handgriff überbrücken, so dass der Solargenerator weiterläuft, ohne dass die Anschlussdose getauscht werden muss – wenn auch ohne Optimierung. Für die Weiterentwicklung hat das israelische Unternehmen einen der drei Intersolar Awards gewonnen.

Auch bei der Elektronik „drumherum“ haben Unternehmen weitere Entwicklungen vorgestellt. Der französische Anbieter Mersen bietet zum Beispiel Schaltungen für Stringüberwachungen an, die in Anschlusskästen hauseigener Fertigung eingesetzt werden können und nach Unternehmensangaben die Strom- und Spannungswerte mit Messunsicherheiten von 0,5 Prozent sehr exakt bestimmen. Neuartig ist ein Produkt, mit dem das Unternehmen auf die Diskussion um die Notabschaltung im Brandfall reagiert. Es handelt sich um einen mechanischen Notausschalter, der außen unterm Dach angebracht wird, von der Feuerwehr bedient wird und die DC-Leitungen kurzschließt. Wenn er einmal aktiviert ist, lässt sich die Anlage nur durch einen Austausch wieder anschalten. In Gesprächen mit der französischen Feuerwehr hat sich laut Business Line Manager Thierry Arnod gerade das als ein wichtiges Kriterium herausgestellt.

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