Auf den Zinssatz kommt es an

Kategorie: 02 / 2009, Geld & Recht Christian Dürschner/MF

Renditeerwartung 2009: Zum 1. Januar hat die EEG-Novelle zugeschlagen. Die gesetzlich vorgeschriebene Vergütung für Solarstrom sinkt um bis zu zehn Prozent. Grund genug, die Renditerechnung zu beleuchten, die am Anfang der Anlagenplanung steht. Fazit: Es ist immer noch möglich, rentable Photovoltaikanlagen zu bauen.

Auch 2009 versprechen gut geplante Anlagen noch annehmbare Renditen.
Foto: Solarpraxis AG/Stephan Ganzel

Wirtschaftlichkeit 2009: Wer mit einer festen Renditeerwartung eine Photovoltaikanlage plant, muss vergleichen, ob die Investitionskosten zum erwarteten Ertrag passen. Modellrechnung: 5-kWp-Anlage in Aufdachmontage auf ein Eigenheim, Einspeisevergütung 43,01 Ct/kWh, Finanzierung durch Eigenkapital, Betriebskosten 1,5 Prozent der Investitionskosten pro Jahr, Betriebskostensteigerung 2 Prozent im Jahr, 5 Prozent Degradation der Solarmodule in 20 Jahren, Austausch des Wechselrichter zu 400 €/kWh im 11. Betriebsjahr, ohne Berücksichtigung von Steuern und Abschreibungen. Berechnungsmethode: interner Zinsfuß mit dem Programm PVProfit 2.1. Bei dieser Näherung ist der Kalkulationszins immer so hoch wie die angenommene Rendite.
Grafik: Solarpraxis AG/Harald Schütt

Das Geschrei war groß letztes Jahr, als die Debatte um die Kürzung der Einspeisevergütung hochkochte. Diese Kürzung ist nun in der Praxis angekommen. Für seit dem 1. Januar in Betrieb genommene kleine Dachanlagen zahlt der Versorger jetzt beispielsweise nur noch 43,01 Cent pro eingespeister Kilowattstunde – acht Prozent weniger als im Jahr 2008.

Diese acht Prozent schmälern die Rendite. Daher lohnt sich der Blick aufs Detail – und darauf, wie man die zu erwartende Rendite mit anderen Anlageformen vergleicht. Dieser Vergleich ist allerdings nicht so einfach. Man sollte denken, dass ein potenzieller Investor einfach Erlös und Investitionskosten ins Verhältnis setzen kann. Doch die Rechnung hat es bei einer auf 20 Jahre angelegten Investition in sich. Die Einnahmen kommen nicht geballt am Ende des Zeitraums, sondern kontinuierlich. Das Geld, das beispielsweise im elften Jahr übrig ist, kann wieder angelegt werden und erwirtschaftet noch neun Jahrelang Zinsen. Umgekehrt muss ein Investor Ausgaben, die er im dritten Jahr tätigt, anders werten als solche, die erst im 17. Jahr anfallen. Er muss also Annahmen darüber treffen, wie hoch zwischendurch anfallende Gewinne verzinst werden und wie Geld gewertet wird, das er später zum Beispiel für einen neuen Wechselrichter ausgeben muss. Deshalb muss er einen Stichtag festlegen, an dem er einen Kassensturz macht. Das kann in 50 Jahren sein, in fünf Jahren oder – wie es sich bei einer PV-Anlage anbietet – in 20 Jahren. Einnahmen werden mit ihrem Wert zu dem Stichtag bewertet, der Umrechnungsfaktor ergibt sich aus der möglichen Verzinsung. Für eine erste Überschlagsrechnung kann sich der potenzielle Investor das Leben einfacher machen, indem er für Kredite und Geldanlagen mit dem gleichen Zinssatz rechnet, dem sogenannten Kalkulationszins. Sinnvoll ist es, ihn im Moment um die vier Prozent anzusetzen. Bei der Methode des internen Zinsfußes,mit dem die Software PVProfit rechnet, liegt der Zinssatz immer so hoch wie die ausgerechnete Rendite. Das wäre streng genommen nur dann sinnvoll, wenn Einnahmen gleich wieder zu gleichen Bedingungen reinvestiert werden könnten. Das muss man im Hinterkopf behalten. Die Annahme über den Kalkulationszins beinhaltet ohnehin Unwägbarkeiten, da oft die Einnahmen zum Ende der Laufzeit nicht mehr so gut angelegt werden können wie erwartet. Bei Beispielen aus der Praxis dürfte der Fehler durch die Annahme eines falschen Kalkulationszinses allerdings gering sein, solange sich die berechnete Rendite nicht zu weit von realen Zinsen entfernt. Bei einer Dachanlage mit einer Nennleistung von fünf Kilowatt gibt es zwei weitere große Unbekannte: die Investitionskosten pro Kilowatt und der Ertrag. Im statistischen Mittel lässt dieser sich ganz gut vorhersagen. Die Umweltbank nutzt zurErtragsschätzung eine Tabelle mit Werten für jeden Postleitzahlbereich. Eine ähnliche Datenbank gibt es beim Solarenergie-Förderverein Deutschland (www.pv-ertraege.de) – für größere Anlagen ist jedoch ein Gutachten sinnvoll. Wenn Standort und erwarteter Ertrag festliegen, muss sich der Investor über seine Renditewünsche klar werden. Dann liegt fest, bis zu welcher Investitionshöhe sich die Anlage rechnet, wie die Grafik zeigt. Wird zum Beispiel ein Ertrag von 1.000 Kilowattstunden pro Kilowatt und Jahr erwartet und will der Investor mindestens vier Prozent Rendite, dürfen die Investitionskosten nicht über 4.200 Euro pro installiertem Kilowatt liegen. Hier zeigt sich auch die Veränderung zum Vorjahr. Im gleichen Beispiel durfte die Anlage 2008 noch bis zu 4.600 Euro pro Kilowatt kosten. Die Kosten müssen stärker sinken als die Einspeisevergütung, da Betriebskosten wie Versicherungsprämien oder Zählermieten weitgehend gleich bleiben. Allerdings sollte klar sein, dass eine PV-Anlage im Vergleich zu einer Bankanlage doch etwas riskanter ist. Gehen die Module kaputt und dauert der Gewährleistungsstreit zu lang, fährt man statt Rendite schnell einen Verlust ein. Damit eine Anlage eine sinnvolleInvestition ist, muss die Rendite also entweder über der einer konventionellen Geldanlage liegen – oder man muss sich der ökologischen Gründe einer Investition in Sonnenstrom erinnern.


Anlagengröße

Einspeisevergütung



2008

2009


20101)




Ct/kWh

Ct/kWh

Vergleich Vorjahr

Ct/kWh

Vergleich Vorjahr

Anlagen auf Freiflächen (Grundvergütung)

unbegrenzt

35,49

31,94

- 10 %

28,75

- 10 %

Anlagen an oder auf Gebäudedach 2)

bis 30 kWp

46,75

43,01

- 8 %

39,57

- 8 %

von 30 bis 100 kWp

44,48

40,91

- 8 %

37,64

- 8 %

von 100 bis 1.000 kWp

43,99

39,58

- 10 %

35,62

- 10 %

über 1.000 kWp

43,99

33,00

- 25 %

29,70

- 10 %

„Fassadenbonus“

unbegrenzt

+ 5,00

gestrichen


gestrichen


Vergütung bei Eigennutzung

bis 30 kWp

keine


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