Analysten: Conergy-Insolvenz wenig überraschend

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Nach Ansicht von Finanzmarktexperten ist es eher erstaunlich, dass das Hamburger Photovoltaik-Unternehmen erst jetzt den Gang zum Amtsgericht antrat. Zugleich liegen die Hauptgründe für die Insolvenz schon einige Jahre zurück, als das Management des börsennotierten Unternehmens einen Wandel des Geschäftsmodells vollzog. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat schon vor zwei Jahren Anklage gegen ehemalige Führungskräfte von Conergy erhoben.

Conergy-Fabrik in Frankfurt an der Oder

Der Insolvenzantrag von Conergy kam wenig überraschend
Conergy AG

Mit der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens könnte sich nun der Druck auf die Banken und Gläubiger der Conergy AG erhöhen, dem vorgelegten Sanierungskonzept doch noch zuzustimmen. Zudem gibt es Parallelen zu anderen Photovoltaik-Unternehmen, die in der Vergangenheit einen ähnlichen Weg beschritten haben. So meldeten etwa Q-Cells und Solon ebenfalls Insolvenz an, um den Einstieg eines ausländischen Investors zu ermöglichen. “Der Weg von Conergy ist mit der Insolvenz noch nicht am Ende, aber es gibt auch keine Garantie, dass die Rettung gelingt“, sagt Henning Wicht, Senior Director von IHS Global.

Eigentlich sei es erstaunlich, dass Conergy überhaupt so lange durchgehalten hat, lautet die Einschätzung aus Finanzkreisen. Conergy kämpfe seit Jahren mit einem negativen Cash-Flow und den Auswirkungen von Managementfehlern, die noch aus der den Zeiten stammen, als Dieter Ammer und Hans-Martin Rüter das Unternehmen führten. 2006 hatte die Führungsspitze entschieden, den Projektierer zu einem Modulhersteller zu wandeln sowie das gesamte Spektrum der erneuerbaren Energien durch den Zukauf zahlloser Unternehmen abzubilden. Diese Firmen sind zwar im Zuge des Kapital- und Schuldenschnitts vor zwei Jahren weitgehend abgestoßen worden. Dennoch hat der einstige Börsenstar damit viel Geld verbrannt. Auch verhießen die zuletzt von Conergy veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal bereits nichts Gutes, so die Einschätzung eines von pv magazine befragten Finanzanalysten. Dort seien bereits ein negatives Eigenkapital von 100 Millionen Euro sowie Verbindlichkeiten bei Lieferanten von 150 Millionen Euro verzeichnet gewesen. De facto liege bei solchen Zahlen bereits eine Zahlungsunfähigkeit vor.

Noch kein Prozesstermin

Bereits vor zwei Jahren erhob die Hamburger Staatsanwaltschaft Anklage gegen ehemalige Vorstände und Aufsichtsräte von Conergy, darunter auch Ex-Tschibo-Chef Dieter Ammer und Hans-Martin Rüter. Sie sollen sich wegen des Verdachts der Marktmanipulation, der Bilanzfälschung und Insiderhandels vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Hamburg verantworten. Bislang gebe es aber noch keinen Termin für den Prozess, sagte eine Gerichtssprecherin der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Erst Anfang Mai hatte Conergy einen Vergleich zwischen ehemaligen Vorstandsmitgliedern und Anlegerklägern verkündet. Damit war eine weitere Auseinandersetzung über mögliche Schadensersatzansprüche beendet worden. Die vereinbarte Zahlung von 6,315 Millionen Euro an Conergy ist dabei hauptsächlich von dem D&O-Versicherer AIG Europe Ltd. getragen worden. Auch dieses Musterverfahren bezog sich auf eine im Oktober 2007 veröffentlichte Gewinnwarnung des Photovoltaik-Unternehmens, die aus Sicht der Kläger zu spät erfolgte. (Sandra Enkhardt)


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