Alles muss raus

Kategorie: 11 / 2011, Ausland, Märkte & Trends Martin Reeh

Wechselrichter: Am 1. Januar tritt die neue Niederspannungsrichtlinie in Kraft. Vorher versuchen Hersteller und Händler, die Wechselrichter, die die neuen Anforderungen nicht erfüllen und bei denen sich keine Nachrüstung lohnt, zu Tiefpreisen loszuschlagen.

Nicht bei allen Wechselrichtern lohnt sich Fronius zufolge die Umrüstung auf die neuen Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie.
Foto: Fronius

„Nein“, sagt Dirk Morbitzer, ein „außergewöhnliches Ereignis“ bedeute die neue Niederspannungsrichtlinie für die Wechselrichterhersteller nicht: Ein paar Innovationen und Umstellungen im Sortiment, das ist alles. Aber im Markt sorgt die Richtlinie vor ihrem Inkrafttreten zu Neujahr 2012 dennoch für einige Aufregung. Die Preise für Wechselrichter purzeln – auch wenn Morbitzer, Geschäftsführer von Renewable Analytics in San Francisco, nicht immer ausmachen kann, „ob viele Wechselrichter derzeit wegen der Niederspannungsrichtlinie oder wegen der allgemeinen Marktentwicklung billiger geworden sind“.

Software für Nachrüstung

Neujahr 2012 tritt die Niederspannungsrichtlinie in Kraft, die die Betreiber von Photovoltaikanlagen zur Bereitstellung von Blindleistung und zur Anpassung der Photovoltaikleistung an die Netzfrequenz verpflichtet. Für die bis dahin angeschlossenen Wechselrichter gilt Bestandsschutz, die neuen Funktionen müssen sie nicht vorweisen können.

Fragt man derzeit bei Händlern nach, so scheint die Neuerung kein allzugroßes Problem darzustellen: „Uns wurde von den Herstellern zugesagt, dass bis Jahresende eine Software zur Verfügung steht, mit der die Wechselrichter umgestellt werden können“, sagt Siegfried Usarek, Geschäftsführer von Havelland Solar in Nauen. So einfach ist das? „So einfach soll das sein“, antwortet Usarek. Havelland Solar vertreibt Wechselrichter von Solutronic und Effecta.

SMA zurückhaltend

Branchenführer SMA gibt vorsichtig an, „nahezu alle“ Wechselrichter könnten „durch ein Update einfach auf die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie“ umgestellt werden. Um die Frage zu klären, warum die Umstellung mancher Wechselrichter nicht funktioniert, gibt der österreichische Hersteller Fronius am bereitwilligsten Auskunft. Eigentlich gebe es zwei Arten von Geräten, sagt Ulrich Winter, Vertriebsleiter Sparte Solarelektronik von Fronius Deutschland. Solche, bei denen nur die Software geändert werden müsse, und solche, bei denen die komplette Hardware umgestellt werden müsse. Eine Auswechslung von derartigen Geräten beim Händler oder Kunden sei kaum möglich. „Sie müssten alle Leistungsplatinen tauschen. Aber Sie können ja nicht vor Ort anfangen, mit dem Lötkolben Teile auszuwechseln“, sagt Winter weiter. Auch die Umrüstung der Wechselrichterproduktion sei schwierig: „Dann müssten Sie sich als Hersteller überlegen: Betreiben wir den Aufwand, eine relativ alte Geräteserie dafür noch mal umzu- rüsten? Das ist im Prinzip wie eine Neuentwicklung.“ Die Geräte, bei denen die Hardware umgestellt werden müsste, sind also die, die derzeit deutlich billiger am Markt zu bekommen sind. Dirk Morbitzer spricht von „einigen Herstellern, die im Sommer ihre hohen Lagerbestände gesehen und dann gesagt haben: Besser, wir fangen jetzt an, die alten Wechselrichter zu verkaufen als zwei Monate vor Inkrafttreten der Richtlinie“. Kaco gehöre etwa dazu. Die verkauften „derzeit ihre alten Wechselrichter für 11 Cent pro Watt – früher waren es rund 20 Cent“. Bis zum Redaktionsschluss wollte Kaco dazu keinen Kommentar abgeben.

Ähnliche Angaben zur Preisentwicklung bei den Wechselrichtern wie Morbitzer macht auch Arno-Lothar Vormittag von Gehrlicher Solar. „Wir bewegen uns bei den Modellen, die noch übrig sind, bei 11 bis 16 Cent pro Watt, bei Wechselrichtern von Delta auch darunter.“ Die Geräte seien von der Effizienz her genauso gut wie die neuen, die die Richtlinie erfüllten, sagt Vormittag.

Großhändler senken Preise

Neben den Herstellern von Wechselrichtern senken auch die Großhändler ihre Preise: Die nach dem 1. Januar 2012 nicht mehr in Deutschland verkaufsfähigen Geräte können zwar im Ausland losgeschlagen werden, die Hersteller nehmen sie aber im Regelfall nicht zurück. „Eigentlich liegt es am Händler, dass er seinen Bedarf richtig einschätzt und die Wechselrichter bestellt, die er braucht“, sagt Andreas Schmidt, Marketingleiter bei Delta. In Einzelfällen werde sich der Hersteller aber mit den Vertragspartnern beraten, ob Kulanz möglich sei.

Bei Delta ist die gesamte dritte Wechselrichter-Generation nach dem 1. Januar 2012 nicht mehr einsetzbar, bei Fronius ist die IG-Serie betroffen, die von der IG-Plus-V-Serie abgelöst wurde. Seit September erfüllen aber alle Geräte, die vom Band laufen, die Anforderungen der neuen Niederspannungsrichtlinie oder lassen sich Fronius zufolge entsprechend nachrüsten. Bei SMA betrifft es den Mini Central 6/7/8000TL und den Sunny Mini Central 9/10/11000 TL-10.

Lohnt sich denn der Kauf eines solchen Wechselrichters wirklich oder müssen Kunden fürchten, dass eines Tages eine neue Richtlinie in Kraft tritt, welche die bisherigen Regelungen auch für die alten Wechselrichter aufhebt? „Was der Gesetzgeber in drei oder vier Jahren beschließt, ist schwer vorherzusagen“, meint Analyst Dirk Morbitzer. Auch bei neuen Geräten gebe es keine Garantie, dass sie dann noch den Regelungen entsprächen: „Ich halte es aber für wenig wahrscheinlich, dass bei Photovoltaikanlagen unter fünf Kilowatt Leistung Regelungsbedarf besteht.“


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