Agora Energiewende erwartet 2023 Scheitelpunkt für EEG-Umlage

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Der Berliner Think-Tank hat dazu eine Studie beim Öko-Institut beauftragt. Über die Annahmen für die Berechnung lässt sich allerdings trefflich streiten. Zudem bietet Agora Energiewende künftig einen Rechner an, mit dem man sich seine eigene EEG-Umlageentwicklung basteln kann.

Grafik aus der Studie von Agora Energiewende

Hier zeigen sich die Annahmen des Öko-Instituts für die Photovoltaik bei der Berechnung.
Grafik: Agora Energiewende/Öko-Institut

Agora Energiewende hat nun eine Studie des Öko-Instituts vorgelegt, die zeigt, dass die EEG-Umlage ab 2023 sinken wird. Auch für das kommende Jahr sei erneut nicht mit einem Steigen der EEG-Umlage zu rechnen, da sich derzeit ein Milliarden-Überschuss auf dem EEG-Konto angesammelt hat. In den Folgejahren sei dann aber mit einem weiteren Anstieg der EEG-Umlage um weitere ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde zu rechnen, da dann vor allem die hohen Anfangsvergütung für die Offshore-Windkraft zum Tragen kämen, erklärte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Allerdings folge dann eben bis 2035 auch wieder ein deutlicher Rückgang um zwei bis vier Cent je Kilowattstunde. „Der Hauptgrund für den absehbaren Rückgang der EEG-Vergütung ist, dass von 2023 an die teuren Anlagen aus den Anfangsjahren des EEG ihren Vergütungsanspruch verlieren, während die neuen Anlagen bereits heute sehr kostengünstig Strom produzieren und weiterhin günstiger werden“, so Graichen weiter. Bis 2035 werde es doppelt soviel erneuerbaren Strom wie heute zu günstigeren Preisen geben.

Die Studie des Öko-Institut, die die Grundlage für diese Aussagen bildet und auch für einen „EEG-Rechner“, ist allerdings auch streitbar. So erfolgte die Berechnung unter der Maßgabe, dass der Börsenstrompreis konstant bis 2035 bei 3,5 Cent je Kilowattstunde bleiben wird und sich auch der Stromverbrauch nicht ändern wird. Bei den Zubauzahlen für die erneuerbaren Energien hat sich das Öko-Institut an den vorgebenen Zielkorridoren der Bundesregierung orientiert. Allerdings ist etwa der 52 Gigawatt-Deckel für die Photovoltaik nicht enthalten. Nach den zugrundegelegten Zubaudaten des Öko-Instituts müsste dieser aber 2020/21 erreicht werden. Danach soll es nach derzeitigen Plänen der Bundesregierung keine Förderung für Photovoltaik-Anlagen mehr geben. Graichen zeigt sich aber überzeugt, dass sich dies noch ändern werde. In der Studie jedenfalls sind auch danach bis 2035 weitere EEG-Zahlungen für Photovoltaik-Anlagen enthalten.

Insgesamt geht es Agora Energiewende mit der Studie darum, der Politik zu zeigen, wie die Entwicklung voraussichtlich aussehen wird. „Die Politik steht damit vor der Wahl. Sie kann einerseits bei den Stromverbrauchern dafür werben, dass diese noch einige Jahre lang eine moderate Belastung von weiteren ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde für das Generationenprojekt Energiewende tragen. Andererseits könnte sie entscheiden, einen Teil der in der Vergangenheit aufgelaufenen Innovationskosten aus dem Umlagesystem herausnehmen, um sie wie andere Forschungsausgaben beispielsweise über einen steuerfinanzierten Sonderfonds aufzubringen“, sagt Graichen. Aus seiner Sicht ist ein solcher Topf, in dem die alten EEG-Kosten ausgelagert und gestreckt werden, eine sinnvolle Idee. Die Politik sollte soetwas ernsthaft prüfen, so seine Empfehlung.

Neben der Studie hatte Agora Energiewende eben auch einen „EEG-Rechner“ beim Öko-Institut beauftragt. Dieser soll ab der kommenden Woche auf der Website des Berliner Think-Tanks verfügbar sein. Damit lassen sich sehr verschiedene Szenarien durchspielen. So können in der Experten-Version zahllose Parameter geändert werden. Dabei zeigt sich direkt das Ergebnis und damit die mögliche abweichende Entwicklung der EEG-Umlage. Für Entscheider bietet Agora Energiewende den „EEG-Rechner“ mit weniger Stellschrauben und damit höherer Übersichtlichkeit an. (Sandra Enkhardt)


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