Agora Energiewende: Kohleausstieg bis 2040 aus Klimaschutzgründen notwendig

Kategorie: Politik und Gesellschaft, Topnews

Das Berliner Netzwerk sieht eine Reduzierung der Stromerzeugung aus Kohle um 60 Prozent bis 2030 als notwendig an, wenn die Bundesregierung ihre Klimaschutzziele noch erreichen will. Ein kostenminimierendes Vorgehen bei der Verminderung der Kohleverstromung erhöht der Studie von Agora Energiewende zufolge die Großhandelsstrompreise um etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde.

Braunkohlekraftwerk Niederaussem

Die Stimmen für einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohle mehren sich.
Foto: Harald Hillemanns/wikimedia

Vor dem Hintergrund der am Montag beginnenden Klimaschutzverhandlungen in Paris (COP21) hat Agora Energiewende eine Studie vorgelegt. Damit Deutschland seine eigenen Klimaschutzziele erreiche, müsse die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken bis 2030 um 60 Prozent und bis 2040 fast vollständig reduziert werden. Derzeit komme Kohlestrom noch auf rund 260 Terawattstunden. Ein planvolles, kostenminimierendes Vorgehen bei der Verminderung erhöhe die Großhandelsstrompreise um etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde und sei somit für die Wirtschaft gut verkraftbar, so ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie von Enervis Energy Advisors im Auftrag von Agora Energiewende. „Die Klimakonferenz in Paris, bei der es um die 2030er-Ziele der Vertragsstaaten geht, lenkt auch den Blick auf das deutsche Klimaschutzziel 2030 von minus 55 Prozent Klimagasemissionen. Um es zu erreichen, kommt dem Stromsektor eine Schlüsselrolle zu, denn er ist der größte einzelne Emittent von Treibhausgasen. Das gilt vergleichbar auch für die Klimaschutzziele für 2040 und 2050“, erklärt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende.

Das Bundeskabinett hatte jüngst erst die Abschaltung einiger Braunkohlekraftwerke und deren Verschiebung in die Reserve mit den Betreibern vereinbart. Dies kann nach Ansicht von Agora Energiewende aber nur ein erster Schritt sein. „Daher ist eine im Konsens entwickelte langfristige Strategie für einen Kohleausstieg und den damit verbundenen Strukturwandel unumgänglich. Die Kohle-Klimaschutzreserve der Bundesregierung für 2020 ist insofern nur der Auftakt für die eigentliche Herausforderung, die vor uns steht“, so Graichen weiter. Dabei sei es aber auch notwendig über Programme nachzudenken, die den schrittweise Kohleausstieg sozial abfederten.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent bis 2040 um 70 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent - jeweils unter das Niveau von 1990 – zu senken. Mit einem deutschen Kohleausstieg könnten zum einen diese Ziele erreicht werden, aber auch die europäische Klimaschutzbilanz könnte aufgebessert werden. Mit der Abschaltung von Kohlekraftwerken könnten vermehrt oft ungenutzte Gaskraftwerke, gerade in den Nachbarländern Deutschlands, wieder zum Zug kommen. In der Studie wird eine engere Verzahnung der nationalen Klimaschutzinstrumente mit dem europäischen Emissionshandel empfohlen. So sollten im Zuge eines nationalen Kohleausstiegs freiwerdende Emissionszertifikate aus dem Markt genommen werden, damit sie nicht anderswo in Europa zu einem zusätzlichen Ausstoß von Treibhausgasen führen.

In der Studie „Der Klimaschutzbeitrag des Stromsektors bis 2040 – Entwicklungspfade für die deutschen Kohlekraftwerke und deren wirtschaftliche Auswirkungen“ sind drei Entwicklungspfade der deutschen Kohleverstromung modelliert und deren Treibhausgas-Emissionen in den Jahren bis 2040 berechnet worden. Agora Energiewende zufolge zeigt sich dabei, dass die Bundesregierung nur in dem ambitioniertesten Szenario die Klimaschutzziele für 2040 erreichen kann. (Sandra Enkhardt)


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