664 Megawatt Photovoltaik-Zubau im Juni – 15 Prozent Absenkung zum Jahreswechsel wahrscheinlich

Kategorie: Märkte und Trends, Topnews

Die Solarförderung wird zum Jahreswechsel um etwa 15 Prozent sinken. Obwohl der Zubau bei Photovoltaik-Anlagen zum Teil deutlich unter den Vorjahreszahlen liegt, sind bereits zwischen September 2010 und Juni 2011 rund 3500 Megawatt neu installiert worden und damit für die Basisdegression vorgegebene Obergrenze erreicht.

Solarpark von Sunenergy

Der Zubau im Juni 2011 lag deutlich unter Vorjahresniveau
Foto: Sun Energy Europe GmbH

Nach jüngsten Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur betrug der Photovoltaik-Zubau in Deutschland im Juni etwa 664 Megawatt. Dies seien vorläufige Zahlen, heißt es auf der Webseite der Behörde. „Die anlagenscharfe Veröffentlichung der vorläufigen Junizahlen erfolgt in Kürze“, heißt es weiter. Ein genaues Datum war auf Nachfrage nicht zu erhalten. Es zeichnet sich damit aber immer weiter ab, dass es zum Jahreswechsel eine Absenkung der Solarförderung von mindestens 15 Prozent geben wird. Relevant für die Höhe der Absenkung der Photovoltaik-Einspeisetarife ist der Zubau von Anlagen zwischen 1. Oktober 2010 bis 30. September 2011. Bereits bis Juni 2011 sind nach den vorliegenden Daten der Bundesnetzagentur etwas mehr als 3500 Megawatt installiert worden. Dies ist die von der Bundesregierung definierte Obergrenze für eine Absenkung der Photovoltaik-Einspeisevergütung zum 1. Januar 2012 um die Basisdegression von neun Prozent. Nun stehen aber die Kapazitäten des dritten Quartals noch aus. Zu Zubauzahlen in den Monaten Juli und August wollte die Bundesnetzagentur keine Angaben machen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am 8. September gemeldet, dass im Juli rund 800 Megawatt und im August etwa 450 Megawatt Photovoltaik-Leistung neu in Deutschland installiert worden seien. 

Grünen-Energieexperte Hans-Josef Fell geht daher davon aus, dass die Solarförderung zum Jahreswechsel um mindestens 15 Prozent sinken wird. Die Photovoltaik-Einspeisevergütungen für kleine Dachanlagen lägen dann noch maximal bei 24,4 Cent je Kilowattstunde und für Photovoltaik-Freiflächenanlagen bei 17,9 Cent je Kilowattstunde. „Die von Photovoltaik-Gegnern an die Wand gemalte Kostenexplosion bei der Photovoltaik ist ausgeblieben. Seit Jahresanfang wurde rund die Hälfte weniger Photovoltaik installiert als im Vorjahreszeitraum“, sagte Fell. Mit Ausnahme des Januars 2011 habe der Zubau in allen Monaten seit Oktober 2010 nicht das Vorjahresniveau erreicht. Dies zeichne sich auch für den Juli 2011 ab. Nach Ansicht vieler Experten werden in dem relevanten Zeitraum in Deutschland wohl Photovoltaik-Anlagen mit einer Kapazität zwischen 4500 und 5500 Megawatt neu installiert werden, was eine Degression von 15 Prozent bedeuten würde. Allerdings geht Fell angesichts der stark gefallenen Modulpreise und der anstehenden Absenkung der Einspeisevergütungen im Januar von einer Jahresendralley auf dem deutschen Photovoltaik-Markt aus. Wenn die Nachfrage im vierten Quartal  wirklich deutlich anzieht, wäre aus seiner Sicht eine Kürzung der Solarförderung zur Jahresmitte 2012 um weitere 15 Prozent möglich. Dann lägen die Photovoltaik-Einspeisetarife nur noch zwischen 15,3 und 20,8 Cent je Kilowattstunde. „Bereits in weniger als 10 Monaten wird die Solarstromvergütung deutlich unter den Stromkosten der privaten Stromverbraucher liegen“, so Fell weiter. Während sich die Stromkunden über die weiter sinkenden Preise beim Solarstrom freuen könnten, kämen allerdings auf die deutschen Photovoltaik-Hersteller harte Monate zu. „Jede Diskussion über eine Deckelung des Photovoltaik-Zubaus ist überflüssig und trägt nur dazu bei, Unternehmen, die in einem harten Wettbewerb stehen, weiter zu verunsichern. Auch unternehmerisch nimmt der Druck auf die verschiedenen Hersteller auf Grund der schnellen Senkung der Kosten der Photovoltaik zu“, sagte der Grünen-Energieexperte. Er forderte von der Bundesregierung endlich eine klare Industriepolitik, die die deutschen Photovoltaik-Unternehmen stärkt. (Sandra Enkhardt)


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