Die Vermieter

Kategorie: Erfolg, 01 / 2014, Gründerszene Michael Fuhs

Wettbewerb: Die Gründer von Suntility machen sich auf, das große Geld einzusammeln. Damit wollen sie Gewerbebetrieben die Möglichkeit geben, sich mit Solarstrom zu versorgen. Davon profitieren alle.

Die erste neu errichtete Suntility-Anlage auf einem Gewerbebetrieb in Köln-Mühlheim. Die Eigenverbrauchsquote ist circa 50 Prozent; Foto Suntility

Eine der großen Fragen für die Solarbranche ist, wie man Investoren und mögliche Betreiber zusammenbringt. Bisher ging das bei den großen Freiflächen-Solarkraftwerken noch ziemlich einfach, und Franz Hauk war in diesem Geschäft als Mitgründer von Maxsolar schon vor Jahren aktiv. Mit der starken Reduzierung der Einspeisevergütung fällt dieses Segment nahezu vollständig weg. Jetzt sucht er neue Lösungen und hat dafür mit vier Partnern Suntility gegründet.

Geht man hinaus in die Solarwelt, hört man seit Jahren, dass eines der zukunftsreichsten Geschäftsfelder die Photovoltaikanlagen auf Industrie- und Gewerbebetrieben sind. Die Anlagen können mehrere Hundert Kilowatt groß sein, gleichzeitig gibt es viele Dachflächen, die zur Verfügung stehen. Es ist ja auch nicht so, dass dies bisher nicht genutzt worden wäre. Allerdings hauptsächlich von Unternehmen, die entweder selbst investierten oder die ihre Dachflächen an Betreiber verpachteten. Das Geschäft der Betreiber war vom Geschäft der Betriebe mehr oder weniger entkoppelt. Die Betreiber konnten den Strom einfach einspeisen.

Diese Zeiten sind vorbei. Damit sich die Anlagen heute rechnen, muss ein Teil des Stroms vor Ort verbraucht werden, so dass Stromkosten gespart werden. Für viele Betriebe sind sie höher als die Einspeisevergütung. Dann rechnet sich das Modell. Doch dazu müssen die Betriebe selbst bauen und finanzieren. Es gibt manchmal gute Gründe, beides nicht zu tun. Betriebe wollen sich gerne auf ihr Kerngeschäft konzentrieren oder haben vielleicht nicht das liquide Kapital für die Investition. Suntility will die Verbindung zu Investoren schaffen.

„Gerade schließen wir die zweite Anlage auf einem Agrarbetrieb an“, sagt Vertriebsleiter Christoph Strasser, als er telefonisch vom Gewinn des pv magazine Award erfährt. „Wir errichten die Anlage und verleasen sie an den Agrarbetrieb.“ Bereits zuvor hat das Unternehmen fertiggestellte Anlagen ins Leasing übernommen.

Die Kunden haben dabei zunächst das Betreiberrisiko. Das ist bei der deutschen Gesetzeslage wichtig, da sonst mehr Abgaben und Umlagen auf den selbst erzeugten und verbrauchten Strom anfallen. „Allerdings nehmen wir das Risiko wieder zurück, das sich aus den Rechten und Pflichten aus dem Betrieb der Photovoltaikanlage ergibt“, erklärt Strasser. Das geschieht durch Full-Service-Verträge, die der Kunde mit Suntility-Partnern abschließen kann. Dabei ist der Leasingvertrag erst nach 18 Jahren kündbar, nach acht Jahren kann die Anlage jedoch gekauft werden, und unter gewissen Umständen gibt es ein Sonderkündigungsrecht. Für Suntility fällt in solch einem Fall der Eigenverbrauch weg, dafür kann der Strom mit Vergütung eingespeist werden. Dieses Risiko wird in die Leasingrate eingepreist.

Momentan kann Suntility nach Angaben von Christoph Strasser europaweit große Anlagen bauen. Je kleiner sie sind, umso wichtiger ist ein hoher Eigenverbrauch. Die Investoren, die das für die Anlagen nötige Kapital bereitstellen, seien da. Das liege nicht zuletzt an einem der anderen Gründungsinvestoren. Finanzvorstand Jürgen Büser war zum Beispiel vorher Finanzvorstand von Thomas Cook in London. Trotzdem dauerte die Vorlaufzeit ungefähr ein Jahr. Es ist durchaus aufwendig, die Modelle rechtlich einwandfrei zu gestalten und passende Leasingraten und Verkaufspreise abhängig vom Risiko zu berechnen.

Und wie ist die Wettbewerbssituation? Nach Aussage von Christoph Strasser ist Suntility das einzige Unternehmen, das Leasing und erneuerbare Energie in Europa verknüpft. „Ob die derzeitigen Modelle durch Contracting, Finanzierungsfonds oder Schwarmfinanzierungen eine Konkurrenzsituation schaffen können, bleibt abzuwarten.“

Allerdings dürfte dem Unternehmen die derzeitige politische Diskussion zu schaffen machen. Wenn für Anlagen größer als zehn Kilowatt eine EEG-Umlage von 4,4 Cent pro Kilowattstunde selbst verbrauchten Stroms abgeführt werden muss, sind viele Eigenverbrauchsanlagen auf Gewerbebetrieben in Deutschland nicht mehr wirtschaftlich. Damit würde sich das Potenzial an verfügbaren Dachflächen stark reduzieren. „Dennoch bin ich fest davon überzeugt“, sagt der Betriebsleiter, „dass Lösungen mit selbst erzeugtem und verbrauchtem Strom der herkömmlichen Belieferung langfristig weit überlegen sind.“ (Michael Fuhs)

 

Suntility ist einer der drei Gewinner des pv magazine awards: top business model, die eine unabhängige Juri des pv mgazine im März 2013 gekürt hat. Alle Gewinner haben neue Geschäftsmodelle etabliert. Das Grünstromwerk gibt Stromverbrauchern die Möglichkeit, selber zu entscheiden, ob sie Solaranlagen außerhalb des EEGs mit finanzieren wollen. Teuer ist es nicht. DZ-4 schafft ein Modell, mit dem Investoren ihr Geld eben nicht mehr nur in große Solarparks stecken können, sondern in kleine dezentrale Anlagen. Suntility macht ähnliches für Gewerbebetriebe. Es wird meist nur thematisiert, dass es dadurch für Dachbesitzer (DZ-4 im Eigenheim, Suntility im Gewerbe) einfacher wird, zu installieren. Der Knackpunkt ist aber, dass damit ein Modell für investoren geschaffen wird. Mehr in dem Übersichtsartikel und den dort verlinkten Artikeln zu den einzelnen Unternehmen.


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